"Gesunder Betrieb" - ein Feigenblatt?

2. September 2014, 10:00
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Die Zugänge ebenso wie die umgesetzten Maßnahmen beim betrieblichen Gesundheitsmanagement könnten nicht unterschiedlicher sein. Eine aktuelle Studie gibt Einblick

Die Relevanz des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) nehme zu. Allerdings werden entsprechende Maßnahmen nicht vorrangig für das Wohlbefinden der Mitarbeiter gesetzt, sondern öfter aus Gründen der Steigerung der Attraktivität als Arbeitgeber, so Teilergebnisse der aktuellen "Trendstudie Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)", die von spring Messe Management initiiert und von Vertretern der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin sowie der Humboldt-Universität Berlin durchgeführt worden ist.

556 vornehmlich für die Durchführung und Koordinierung von Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements zuständige Führungskräfte und Geschäftsführer unterschiedlich großer Unternehmen aus (vornehmlich) Deutschland und Österreich wurden befragt. Dass steigender Termin- und Leistungsdruck die Beschäftigten psychisch belasten und so auch zum Grund Nummer eins krankheitsbedingter Fehlzeiten geworden sind, diese Erkenntnis habe sich laut den Studienautoren bei allen Befragten durchgesetzt. Allerdings setzte zum Zeitpunkt der Befragung weniger als die Hälfte überhaupt aktiv Maßnahmen im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements um (43,5 Prozent).

Qualität und Quantität

Zudem könnte die Differenz in Qualität und Quantität der betrieblichen Gesundheitspolitik kaum unterschiedlicher sein, so die Studienautoren. Das beginne bereits bei der Wahrnehmung als Thema an sich: Die Relevanz des BGM sei bei kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMUs) geringer als bei großen.

Während aber entsprechende Maßnahmen in KMUs vorrangig umgesetzt werden, um zur Zufriedenheit der Mitarbeiter beizutragen, sei das bei den großen nicht der Fall. Dort sei der Beweggrund im demografischen Wandel zu suchen, heißt es weiter. Ganz allgemein orten die Befragten im Thema "alternsgerechte Arbeitsplatzgestaltung" die "größte Zuwachsrate". Aber auch hier: Nur ein Sechstel der Unternehmen (16,5 Prozent) setzten zum Zeitpunkt der Befragung entsprechende Maßnahmen um. Die Gestaltung derselben variiere stark und reiche inhaltlich von einer Fokussierung auf eine "alternsgerechte Arbeitsplatzgestaltung" bis hin zu "Flexibilisierung von Arbeitszeitmodellen" oder "altersgemischten Teams", heißt es weiter.

Den guten Ruf wahren

Warum das Thema Gesundheit überhaupt stärker in den Fokus der Arbeitgeber rücke? 45,3 Prozent der Befragten sahen den demografischen Wandel als Hauptgrund (Mehrfachnennungen waren möglich, Anm.), für 30,2 Prozent war es der zukünftige Fachkräftemangel, und mehr als ein Drittel der Befragten äußerte die Annahme, dass ein BGM die Reputation des Unternehmens beeinflussen und es dadurch an Relevanz gewinnen könne (37,7 Prozent). "Dass man das Wohlbefinden der Mitarbeiter fördern (15,1 Prozent) und den gestiegenen Arbeitsbelastungen entgegenwirken wolle (28,3 Prozent), nannten deutlich weniger Befragte", so die Studienautoren weiter.

Aber auch Mitarbeiter seien dem Thema gegenüber häufig skeptisch eingestellt, heißt es. Fragen wie "Warum soll ich mit dem Chef Sport treiben?" werden nicht selten gestellt. Insgesamt sei das BGM eine anspruchsvolle, vielerorts noch in den Anfängen befindliche Aufgabe mit "noch ungelösten Herausforderungen" - Budgetierung, Maßnahmenkonzeption und -durchführung sowie interne Kommunikation inklusive. (haa, DER STANDARD, 23./24.8.2014)

  • Warum mit dem Chef Sport betreiben? Betriebliches Gesundheitsmanagement löst oft Skepsis aus.
    foto: www.istockphoto.com/fotek

    Warum mit dem Chef Sport betreiben? Betriebliches Gesundheitsmanagement löst oft Skepsis aus.

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