Schon die frühesten Säugetiere waren bei der Nahrungssuche spezialisiert

23. August 2014, 18:00
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Lange ging man davon aus, dass sich frühe Säuger gleichermaßen von beliebigen Insekten ernährten - ein Irrtum, wie Forscher nun herausfanden

Vilingen - Wenn vom Erdzeitalter Jura (vor etwa 200 bis 145 Millionen Jahren) die Rede ist, denkt man vordergründig an Dinosaurier. Doch zu dieser Zeit gab es bereits Säugetiere, wenn auch nur sehr kleine. Um zu verstehen, wie sich jene Eigenschaften entwickelten, die heutige Säugetiere auszeichnen, untersuchte ein internationales Forscherteam nun die Nahrungsgewohnheiten dieser frühen Säuger.

Mit überraschendem Ergebnis, wie die Wissenschafter der Universitäten Bristol und Leicester sowie des Paul Scherrer Instituts in der Schweiz aktuell in "Nature" berichten: Offenbar waren entgegen bisheriger Annahmen schon die frühesten Säugetiere auf bestimmte Nahrung spezialisiert.

Bis dato war man davon ausgegangen, dass sich diese mausgroßen Säugetiere von allen verfügbaren Insektenarten gleichermaßen ernährten. Um herauszufinden, wann die Entwicklung unterschiedlicher anatomischer Eigenschaften einsetzte, untersuchten die Forscher Fossilien aus der Region Glamorgan im Süden von Wales. Vor 200 Millionen Jahren bestand diese Gegend aus einer Reihe von kleinen Inseln, die aus einem seichten Meer herausragten.

Kiefer- und Zahnanalysen

Durch Untersuchungen der Kiefer und Zähne der Tiere konnten die Wissenschafter zeigen, dass zwei Arten dieser frühesten Säugetiere, Morganucodon und Kuehneotherium, nicht beliebige Insekten fraßen, sondern sich bereits auf bestimmte Arten spezialisiert hatten.

"Es gibt keine Fossilien der frühesten Säugetiere, die so gut erhalten wären, dass man etwa aus dem Mageninhalt auf die Essgewohnheiten schließen könnte", sagt Pamala Gill von der Universität Bristol. Deshalb fokussierten die Forscher ihre Analyse auf die verfügbaren Teile der Kiefer und einzelner Zähne. "Unsere Ergebnisse bestätigen, dass die Entstehung unterschiedlicher Säugetierarten zu jener Zeit mit Unterschieden in den Fressgewohnheiten und dem Lebensumfeld verbunden waren."

Die Forscher rekonstruierten die winzigen Kiefer, die nur in Bruchstücken vorlagen, und untersuchten die Details ihrer inneren Anatomie. Mithilfe eines mikrotomografischen Verfahrens, mit dem auch Stabilität und mechanische Eigenschaften von Brücken oder künstlichen Hüftgelenken getestet werden, untersuchten sie anschließend, wie kräftig die Kiefer. Dabei stellte sich heraus, dass sich die Fähigkeiten zum Fangen und Kauen von Beutetieren bei den Arten Morganucodon und Kuehneotherium deutlich unterschieden.

Harte oder weiche Kost

Das zeigte sich auch durch Vergleiche mit früheren Untersuchungen der Zahnabnutzungen heutiger Fledermäuse, die sich von bestimmten Insekten ernähren. Morganucodon bevorzugte demnach härtere Nahrung wie etwa Käfer, während sich Kuehneotherium auf weichere Beutetiere wie die damals häufigen Skorpionfliegen konzentrierte.

"Es ist das erste Mal, dass die Fressgewohnheiten so früher Säugetiere anhand der Abnutzungsmuster ihrer Zähne untersucht worden sind", berichtet Mark Purnell von der Universität Leicester . Die Forschungsergebnisse würden erstmals zeigen, dass Eigenschaften heutiger Säugetiere - etwa einmaliger Zahnwechsel und die besonderen Strukturen von Kiefergelenken und Innenohr - bereits auf die Lebensgewohnheiten der ersten Säugetiere zurückgehen, und nicht erst mit dem Ende der Dinosaurier einsetzten. (red, derStandard.at, 23.8.2014)

  • Illustration der frühen Säugetiere Morganucodon und Kuehneotherium bei der Jagd.  Diese Tiere lebten im frühen Jura auf einer kleinen Insel in der heutigen  Region Glamorgan im südlichen Wales.
    illu.: john sibbick

    Illustration der frühen Säugetiere Morganucodon und Kuehneotherium bei der Jagd. Diese Tiere lebten im frühen Jura auf einer kleinen Insel in der heutigen Region Glamorgan im südlichen Wales.

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