Machtkampf um Prammers Mandat: Statut sticht Sitte

Kommentar21. August 2014, 19:22
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Bis zur vielgefürchteten Quotenregelung haben sich die Männer untereinander die Posten zugeschanzt

Vom neuen EU-Kommissionspräsidenten in Brüssel bis zum hintersten Dorf hierzulande ringt man auch noch in diesem Jahrtausend um herzeigbare Frauenanteile unter Amts- wie Würdenträgern - und genau aus diesem Grund haben sich die Genossen einst für den Nationalrat in Wien explizit dazu entschlossen, dass im Fall des Ausscheidens einer Mandatarin beim Nachrücken das Einhalten der Quote sicherzustellen ist.

Doch nach all den Huldigungen für die verstorbene Nationalratspräsidentin und verdiente Frauenrechtlerin Barbara Prammer dürften einige Rote in Oberösterreich dieses Prinzip allzu schnell vergessen oder verdrängt haben. Denn nicht anders ist es zu erklären, dass sie ihr Mandat lieber dem unbekannten Listenzweiten zuschanzen wollen, als es einer über die Landesgrenzen hinaus bekannten Parteirebellin zu überlassen.

Ja, so wollte es bis vor kurzem noch die gute alte Sitte: Bis zur nunmehr vielgefürchteten Quotenregelung packelten Männer jahrhundertelang in Hinterzimmern allzu gern Neubestellungen für sich aus, doch jetzt ist auch in Oberösterreich endlich Schluss mit lustig. Denn die hiesigen Politikerinnen lehnen sich zu Recht lautstark gegen die Missachtung des gendergerechten Parteigesetzes auf, das ganz simpel lautet: Solange der SPÖ-Parlamentsklub zu fast zwei Dritteln männlich dominiert ist, kommen beim Beerben weiblicher Mandate eben Frauen zum Zug. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, 22.8.2014)

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