Stanford-Professor über Uni-Rankings: "Es geht ums Geld"

21. August 2014, 17:01
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Für Friedrich Prinz ist Scheitern "unvermeidlich", eine Erkenntnis, die sich in den USA besser herumgesprochen habe

Alpbach - Der an der Stanford University lehrende österreichische Physiker Friedrich Prinz hat eine einfache Erklärung für das bessere Abschneiden von US-Universitäten bei diversen Rankings. "Es geht ums Geld", so Prinz im Gespräch mit der APA am Rande der Technologiegespräche beim Forum Alpbach. Aber auch der Verlust der jüdischen Intelligenz vor und nach dem Zweiten Weltkrieg spiele eine Rolle.

"Der Ruf einer Universität wird nicht über kurze Zeit aufgebaut, sondern über Jahrzehnte", so Prinz. "Und der Ruf vieler US-Unis geht auf den Verlust der jüdischen Intelligenz in Europa zurück. Viele sind nach Amerika gegangen und haben beigetragen, den Wissenschaftsstandort USA neu aufzubauen. Dadurch und mit starker Unterstützung von Staat und Industrie wurde das Modell der US-Forschungsuniversität nach dem Krieg aufgebaut - und dieses Modell hat sich als überlegen erwiesen."

Geldfrage

"Entscheidend ist aber dabei, dass man genügend Geld zur Verfügung stellt", betonte Prinz. "Gemessen an Dollar oder Euro pro Student liegen die führenden US-Unis weit vor den europäischen und vor allem österreichischen Universitäten. Es gibt sicher auch in Europa Unis, die gut finanziert sind - etwa die ETH Zürich -, aber die meisten sind schlecht finanziert. Und das spiegelt sich in den Rankings wider." So habe Stanford mit seinen rund 15.000 Studenten wesentlich mehr Budget als alle österreichischen Unis mit ihren 300.000 Studenten zusammen.

Umgekehrt habe er gehört, dass etwa die Stadt Wien mehr für Musik ausgebe als die US-Regierung. Dementsprechend genieße Wien auch einen Ruf als Musikmetropole. Darüber hinaus hätten sich etwa die Philharmoniker wie die US-Unis über Jahrzehnte einen hervorragenden Ruf erarbeitet - das liege vor allem daran, dass sie an der Tradition, ihre Mitglieder selbst auswählen zu können, festhielten. "Das sollten die österreichischen Unis auch können."

"Die meisten Experimente im Leben gehen daneben"

Prinz referiert in Alpbach zum Thema "Scheitern in der Forschung". In den USA gehe man mit diesem Thema emotionsloser um - etwa wenn Forschungsanträge nicht durchgehen: "Das Scheitern ist unvermeidlich. Man muss es einfach akzeptieren, wenn man etwas ausprobiert. Die meisten Experimente im Leben gehen daneben. Wichtig ist, dass einige davon zum Erfolg führen."

"Ich glaube, es geht in den USA etwas emotionsfreier zu, wenn man etwas nicht schafft. Man denkt nicht lange drüber nach, nach einer Nacht ist man drüber hinweg. Es geht etwas schneller", so Prinz. "Ich glaube, das hängt mit den vielen Möglichkeiten aufgrund der Größe des Landes zusammen. Die Leute sagen: Wenn ich es hier nicht erreichen kann, gehe ich woanders hin." In einem kleinen Land wie Österreich gebe es dagegen nicht so viele Chancen. Längerfristig würde sich dies aber durch das Zusammenwachsen Europas und die dadurch entstehenden Möglichkeiten ausgleichen. (APA, 21.08.2014)

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