Wie sich Friedrich der Große die Kleine Eiszeit zunutze machte

21. August 2014, 16:42
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Kälte, Missernten und Hungersnot spielten einer interdisziplinären Studie zufolge dem preußischen König in die Hände

Heidelberg - Aufstände und Migrationen aufgrund von Missernten oder gar das Verschwinden ganzer Hochkulturen durch den Niedergang ihrer landwirtschaftlichen Grundlage: Erst relativ spät hat sich die Geschichtswissenschaft mit dem Einfluss des Klimas auf historische Ereignisse zu befassen begonnen. Mittlerweile ist dies gang und gebe - und immer mehr mögliche Zusammenhänge kommen ans Licht.

So berichtet die Universität Heidelberg nun davon, wie die sogenannte "Kleine Eiszeit" ihren Beitrag zu Preußens Aufstieg geleistet haben könnte. Insgesamt handelt es sich dabei um eine vergleichsweise kühle Periode vom 15. bis zum 19. .Jahrhundert, die einige besondere Tiefpunkte erreichte. Einer davon spielte dem preußischen König Friedrich dem Großen in die Hände.

Die Untersuchung

Eine interdisziplinär angelegte umwelthistorische Studie von Wissenschaftern am Heidelberg Center for the Environment befasste sich mit Extremwetterereignissen in den frühen 1770er Jahren, die indirekt maßgeblichen Einfluss auf die europäische Machtpolitik gehabt haben sollen. Im Zentrum des Forschungsprojekts stehen frühneuzeitliche Nahrungskrisen, anhand derer die Wissenschafter analysieren, wie historische Gesellschaften extremen Klimaereignissen begegneten.

"Die extremen Niederschläge und Kältephasen der Jahre 1770 bis 1772 gehörten zu den schwersten Witterungsanomalien im Rahmen der Klimaveränderungen der 'Kleinen Eiszeit‘ und verursachten dramatische Missernten. Ihre Rekonstruktion ermöglicht es uns zu zeigen, wie sehr die Konfliktparteien Hunger und Wetter ausnutzten, um eigene Interessen durchzusetzen“, sagt der Historiker Dominik Collet.

Nutznießer der Klimaentwicklung

Als besonders geschickt (bzw. skrupellos) darin, sich die natürlichen Umstände zunutze zu machen, erwies sich der Studie zufolge der preußische König Friedrich der Große. Er konnte - durch die erste Teilung Polens im Jahr 1772 - nicht nur das Territorium Preußens erweitern, sondern auch seine Position im eigenen Land stärken.

Friedrich der Große ließ in Polen nach Angaben Collets während der Hungerkrise Getreide beschlagnahmen. Dies diente ihm als militärisches Druckmittel, um die Annexion Westpreußens, das zuvor der ponischen Krone unterstanden hatte, durchzusetzen. Collet dazu: "In der Heimat nutzte er die Vorräte, um sich als 'Brotvater‘ zu inszenieren und - gemeinsam mit seinen Untertanen - lokale Obrigkeiten und Verwaltungen zu entmachten. Besonders problematisch erscheint in diesem Zusammenhang Friedrichs gezielte Diffamierung von 'Kornjuden‘ und vermeintlichen Wucherern als Sündenböcke.“ (red, derStandard.at, 21. 8. 2014)

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