Hakenkreuz auf ehemalige Volksschule gesprayt: 18-Jähriger verurteilt

21. August 2014, 18:28
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Der Jugendliche betrieb ein rechtsradikales Chat-Forum in dem sich Nazis austauschten

Salzburg - Zwei junge Männer aus Faistenau mussten sich am Donnerstag wegen Wiederbetätigung vor einem Schwurgericht in Salzburg verantworten. Die zwei Jugendlichen haben in der Nacht auf den 20. April 2013 auf die Volksschule Faistenau ein Hakenkreuz und den Schriftzug "Juden raus" gesprayt.

Der Schulwart der Volksschule hat die beiden bei ihrer Schmieraktion gesehen und als ehemalige Schüler erkannt. Der 20-Jährige ist sogar der Nachbar des Schulwarts. Den Schriftzug sprühte der 20-Jährige auf die Schule und fragte den 18-Jährigen, der Schmiere stand, ob er es richtig gemacht habe. Der 18-Jährige dürfte seinen ehemaligen Schulkollegen, von dem er wusste, dass er leicht beeinflussbar ist, dazu angestiftet haben. Bei seiner letzten Einvernahme vor der Polizei gab der 18-Jährige auch zu, dass die Schmieraktion zu Ehren des Geburtstages von Adolf Hitler war.

Bei einer Hausdurchsuchung wurden im Zimmer des 18-Jährigen mehrere einschlägige Gegenstände sowie sein Computer sichergestellt. Bei dem 20-Jährigen wurde nichts gefunden. Der 18-Jährige hat ein Skype-Forum mit dem Namen "Nationaler Widerstand" als Administrator betrieben. In dem Forum tauschten sich Rechtsradikale aus, teilten Nazi-Musik und Gewaltvideos. Ein Video, das auf dem Rechner des Schülers sichergestellt wurde, zeigte eine Gruppe Nazis, die vor einer Hakenkreuzfahne einen Mann enthauptete und einen weiteren mittels Kopfschuss hinrichtete.

Betrug im Nazi-Forum

Neben den mehrmaligen schriftlichen Verstößen gegen das Verbotsgesetz versuchte der Schüler, in dem Forum auch Waffen und NS-Devotionalien, die er gar nicht besaß, zu verkaufen - weswegen er auch wegen versuchten gewerbsmäßigen Betruges angeklagt war. Auf die Idee kam er, weil er selbst schon einmal so betrogen wurde.

Nach einer Einvernahme bei der Landespolizei Salzburg soll der 18-Jährige zudem auf dem Vorplatz der Polizei die Hand zum Hitlergruß gehoben haben. Der Schüler dürfte schon länger in der rechten Szene unterwegs sein. Seine Hauptschullehrerin sagte aus: Schon in der zweiten Klasse habe er Hakenkreuze auf das Religionsheft gemalt, bei kurzen Aufsätzen habe er mehrmals über Adolf Hitler geschrieben. Dafür lieferte der 18-Jährige auch eine Erklärung: "Ich komme aus einem Dorf, wo die NS-Gesinnung fast schon zur Jugendkultur gehört."

Mutter: "Er ist kein Nazi mehr"

Vor dem Geschworenengericht zeigte sich der Schüler aber geläutert: Die Polizeiaktion habe ihn zum Nachdenken gebracht. Nach seiner einmonatigen U-Haft sei er in Psychotherapie, habe gute Noten und engagiere sich auch bei einem Projekt, das Jugendliche vor der rechten Szene abhalten soll. Auch seine Mutter bat die Geschworenen um eine bedingte Strafe: "Er ist kein Nazi mehr."

Neben der Wiederbetätigung und dem Betrug war der 18-Jährige auch wegen Körperverletzung angeklagt. Er soll seinen Spray-Kumpanen getreten und geschlagen haben, nachdem dieser eine beleidigende Bemerkung über die Freundin des Schülers machte.

Der 18-Jährige wurde im Sinne der Anklage zu einem Jahr Haft verurteilt. Ein Monat davon unbedingt, das er aber schon durch seine U-Haft abgesessen hat. Der 20-Jährige wurde wegen Sachbeschädigung und nicht wie angeklagt wegen Wiederbetätigung verurteilt. Er bekam eine Diversion und muss 30 Stunden Sozialdienst leisten. Das Urteil ist rechtskräftig. (Stefanie Ruep, DER STANDARD, 22.8.2014)

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