Ärger über "linke Frauen" und queer im Netz

22. August 2014, 14:44
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Alice Schwarzer macht sich über die Reform des deutschen Prostitutionsgesetzes Sorgen, queere Webserien und "Grrrls on stage" in Hollabrunn

Linke Frauen: In Deutschland wird das Prostitutionsgesetz aus dem Jahr 2002 reformiert. Bis Herbst soll sich die Koalition einigen. Differenzen gibt es derzeit noch unter anderem über Plichtuntersuchungen und beim Mindestalter, das die CDU von 18 auf 21 Jahre anheben will. Einig sind sich SPD und CDU bei einem Verbot von Flatrate-Geschäftsmodellen und bei generell strengeren Regeln in Bordellen – etwa in Form einer Anmeldepflicht.

Im Zuge der Debatten über Sexarbeit in Deutschland meldete sich Alice Schwarzer jüngst energisch zu Wort. Auf ihrer Website spricht sie die "Befürworterinnen der freiwilligen Prostitution" an, für sie sind das die "linken Frauen": "Sollte die Reform des fatalen Prostitutionsgesetzes von 2002 jetzt scheitern, dann liegt das an euch: den linken Frauen. Ihr, die engagierten Frauen in der SPD und bei den Grünen oder Linken; ihr, die aufrechten Protestantinnen; ihr, die coolen Szene-Bloggerinnen, seid führend bei der Befürwortung der Prostitution (Die Männer halten sich auffallend zurück)." Sie würden den Darstellungen von glücklichen Sexarbeiterinnen auf den Leim gehen und darüber hinaus die Augen vor den "hunderttausenden Elendsprostituierten" verschließen. Gemeint war vermutlich auch das "Missy"-Magazin, neben Schwarzers "Emma" seit 2008 eine weitere wichtige feministische Stimme in Deutschland, die sich um eine differenzierte Auseinandersetzung mit Sexarbeit bemüht. Im August veranstaltete das "Missy"-Magazin etwa die Konferenz "Fantasies that matter. Images of Sexwork in Media and Art".

Keine Elefantinnen-Runden: Den Medientagen in München fehlt es an Frauen auf den Podien. Mit dieser Kritik wandten sich Vertreterinnen der Fachgruppe für Chancengleichheit, von Pro Quote Medien, dem Journalistinnenbund und von dem Verein Webgrrls an die OrganisatorInnen der Medienmesse. Journalistische Vereinigungen bestünden mehr als zur Hälfte aus Frauen, die Medientagen würden diese Realität nicht widerspiegeln, so die Verfasserinnen des offenen Briefs, die sich auch anbieten, bei der Suche nach kompetenten Frauen zu helfen.

Über "The L Word" und Fernsehen hinaus: "The L Word" (2004–2009) ist noch immer die bekannteste TV-Serie, in der lesbische Figuren dominieren. Doch es gibt noch viel mehr, wenngleich nicht im Fernsehen. Das "Bitch"-Magazin stellt drei queere Webserien vor, die kompromisslos mit ihren Inhalten umgehen können – von Vorgaben von Fernsehanstalten sind sie freigespielt. Da wäre etwa "Dyke Central": Die Serie handelt vom Leben und Lieben von acht LGBT-Menschen in Oakland, Kalifornien. Sehenswert ist an diesen Serien nicht nur, dass ausnahmsweise nicht Heterosexualität die Norm ist, sondern auch ihre Machart.

Abschlusssause des "Girls Rock Camp": Die alljährlich stattfindende Musik- und Bandprojektwoche "Girls Rock Camp" geht zu Ende. Doch nicht ohne das obligatorische Abschlusskonzert, diesmal am 23. August im niederösterreichischen Hollabrunn (Näheres unter girlsrock.at). Bei dem Konzert unter dem Motto "Grrrls on stage" werden die Teilnehmerinnen hören lassen, woran sie eine Woche lang gefeilt haben. (red, dieStandard.at, 22.8.2014)

dieWochenschau versammelt einige feministische Debatten und Ereignisse der vergangenen Woche, die in Blogs, sozialen Medien oder anderen Zeitungen aufgetaucht sind.

  • "Dyke Central" - zu sehen auf Youtube.
    foto: screenshot/youtube dyke central_pilot episode

    "Dyke Central" - zu sehen auf Youtube.

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