Ungarn-Tochter bereitet BayernLB Schmerzen 

21. August 2014, 15:50
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Bank erwartet weitere Belastungen von knapp 800 Millionen Euro - Institut rechnet in diesem Jahr erstmals seit 2009 mit Verlust

Frankfurt - Der Verkauf ihrer ungarischen Problemtochter MKB verhagelt der BayernLB die Bilanz. Wegen der kürzlich verkündeten Veräußerung an den ungarischen Staat rechnet das Institut allein im zweiten Halbjahr mit Belastungen bis zu 770 Millionen Euro. Im Gesamtjahr erwartet die BayernLB deshalb erstmals seit 2009 rote Zahlen. Mit der Entwicklung des Kerngeschäfts zeigte sich der neue Bankchef Johannes-Jörg Riegler dagegen zufrieden. "Unser Kundengeschäft lief in den ersten sechs Monaten trotz Niedrigzinsumfeld und intensivem Wettbewerb sehr solide", sagte er am Donnerstag.

Auch für den branchenweiten Gesundheitscheck der europäischen Aufsichtsbehörden ist die BayernLB aus Rieglers Sicht gut gerüstet. Ende Juni kam das Münchner Institut auf eine harte Kernkapitalquote von 14,4 Prozent und zählt damit zu den am besten kapitalisierten Großbanken in Deutschland. Der ehemalige NordLB -Risikochef Riegler übernahm im April die Führung der BayernLB und hat sich vorgenommen, das Institut kleiner und sicherer zu machen. "Die Zeiten, wo die Bank weltweit auf allen Hochzeiten getanzt hat und sich in riskante Abenteuer gestürzt hat, sind vorbei."

Zunächst muss er jedoch mehrere Altlasten abarbeiten, die er von seinen Vorgänger geerbt hat. Der Verkauf der MKB ist dabei aus seiner Sicht ein wichtiger Befreiungsschlag, auch wenn er die BayernLB in seinem ersten Jahr als Vorstandschef in die Verlustzone drücken wird. Verantwortlich dafür sind hohe Abschreibungen sowie ein Schuldenerlass für die Ex-Tochter. Die MKB leidet unter der schwachen Wirtschaftsentwicklung in Ungarn sowie den Abgaben, die Banken in dem Land auf Druck von Ministerpräsident Viktor Orban leisten müssen. Am Ende werde das Engagement in Ungarn die BayernLB gut zwei Milliarden Euro kosten, erklärte Finanzchef Markus Wiegelmann.

Sparprogramm trägt erste Früchte

Im ersten Halbjahr ging der Vorsteuergewinn wegen eines Sondereffekts im Vorjahreszeitraum um gut ein Drittel auf 527 Millionen Euro zurück. Im April 2013 hatte die BayernLB ihre Wohnungsbautochter GBW für rund zwei Milliarden Euro an die Immobiliengesellschaft Patrizia losgeschlagen, was dem Münchner Geldhaus einen einmaligen Gewinn von 351 Millionen Euro in die Kasse spülte. Rechne man den Sondereffekt heraus, sei der Vorsteuergewinn um 14 Prozent gestiegen, erklärte Unternehmenschef Riegler.

Die BayernLB profitierte unter anderem davon, dass sie Rückstellungen für ausfallgefährdete Kredite auflösen konnte und die Gewinne im Immobiliengeschäft sprudelten. Zudem trug das Ende 2013 eingeleitete Sparprogramm, in dessen Rahmen bis zu 500 Arbeitsplätze gestrichen werden, erste Früchte. Rund drei Viertel des Stellenabbaus sei umgesetzt oder vereinbart worden, sagte Wiegelmann.

Neben den Umbauarbeiten will die BayernLB in den kommenden Jahren verstärkt daran arbeiten, das Geschäft mit Privat- und Firmenkunden auszubauen. "Die BayernLB hat schon seit vielen Jahrzehnten eine ausgezeichnete Kundenbasis", sagte Riegler. "Diese Kundenbasis müssen wir aber besser nutzen." Viele Unternehmen seien beispielsweise mit dem Wunsch an die Bank herangetreten, ihnen mehr Kapitalmarktprodukte anzubieten. (Reuters, 21.8.2014)

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