Ärztekammer gegen weitere Belastung durch Praxisjahr

21. August 2014, 13:08
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Spitäler müssten KPJ ohne Vorbereitung und ausreichende Ausstattung umsetzen - ÖH pocht auf einheitliche Bezahlung durch den Bund

Wien - Die Ärztekammer (ÖÄK) hat am Donnerstag vor einer weiteren Belastung der Spitalsärzte durch das heuer gestartete Klinisch-Praktische Jahr (KPJ) gewarnt. Es sei "zynisch und grotesk", dass Politiker sich nun mit Versprechungen über die Bezahlung des KPJ in Stellung brächten, während die Betreuung das ärztliche Stammpersonal übernehmen müsse, findet ÖÄK-Vizepräsident Harald Mayer.

"Zunehmendes Unverständnis"

Es herrsche unter den Ärzten "ein zunehmendes Unverständnis und eine aufgebrachte Stimmung" darüber, dass das KPJ ohne Vorbereitung und ausreichende personelle und materielle Ausstattung stattfinde. Die Fachärzte seien schon jetzt überlastet und es könne nicht sein, dass mangels Alternative die Turnusärzte "als Lückenbüßer" eingesetzt würden, um den Lehrbetrieb für die Studenten im Spital zu tragen. Eine zusätzliche Belastung der Ärzte und vor allem Turnusärzte wäre ein weiterer Grund, wieso Mediziner ins Ausland gehen und sich der Ärztemangel verschärfen könnte, warnte Mayer.

Über 6000 Auswanderungswillige

Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) hat unterdessen von Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) erneut die Schaffung von "bundesweit gleichen Bedingungen und arbeitsrechtlichen Mindeststandards" und "eine Entlohnung von 650 Euro für das KPJ durch den Bund" eingefordert. Derzeit würden viele Hunderte Jungärzte unentgeltlich ihr KPJ absolvieren. Viele andere hätten bereits das Land verlassen, weil das Praxisjahr in Deutschland und der Schweiz entlohnt werde, so die ÖH-Vorsitzende Viktoria Spielmann (Grüne und Alternative StudentInnen/GRAS). Eine an die Regierung gerichtete Petition mit dem Titel "Wir sind dann mal weg" hält aktuell bei über 6000 Auswanderungswilligen.

Unterstützung bei ihrer Forderung nach bundesweit einheitlich 650 Euro Lohn im KPJ bekommen die Jungmediziner vom Team Stronach. Gesundheitssprecher Marcus Franz setzt darauf, dass die als neue Gesundheitsministerin gehandelte Sabine Oberhauser (SPÖ) als ausgebildete Ärztin "Mitterlehner bei einer einheitlichen Regelung sicher unterstützen" wird. (APA, 21.08.2014)

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