Grassers rätselhaftes Dinner auf Telekom-Kosten

21. August 2014, 12:16
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Bei Benefizgala wurde Luxus-Abendessen mit Ex-Finanzminister und Meinl-Familie versteigert, Firma des Lobbyisten Hochegger zahlte 8.000 Euro

Wien - Die Causa um Geldflüsse zwischen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser, dem Lobbyisten Peter Hochegger und der teilstaatlichen Telekom Austria ist um eine Facette reicher. "News" berichtet von einer 8.000-Euro-Rechnung für ein Luxus-Abendessen mit Grasser, das 2006 bei einer Benefizgala versteigert wurde. Die Rechnung dafür hat eine Hochegger-Firma bezahlt und sie als Telekom-PR verbucht.

Das Ganze geht zurück auf den "Wetten, dass ..?"-Auftritt von Grasser und seiner Frau Fiona Pacifico Griffini-Grasser Anfang 2006. Das Ehepaar verlor die Wette in der Show, und Grasser musste - das war der Einsatz - selbst Eishockey spielen. Wenige Tage später, am 2. Februar 2006, wurde das Versprechen bei der Tissot-Eishockey-Charity zugunsten der Kinderhilfsorganisation Pro Juventute vor dem Wiener Rathaus eingelöst. Bei dem Event fand auch eine Versteigerung statt: ein Dinner mit Grasser, seiner Frau, Angehörigen der Familie Meinl und vier weiteren Gästen im Nobelrestaurant Meinl am Graben in Wien.

"Telekom Public Affairs"

Wer das Essen ersteigert hat, ist laut "News" unklar. Eine Pro-Juventute-Sprecherin sagte dem Magazin, dass man das nicht mehr nachvollziehen könne, da die Detailunterlagen nach Ablauf der üblichen siebenjährigen Haltefrist entsorgt worden seien. Dass die Telekom im Zusammenhang mit dem Event in Erscheinung getreten sei, schließe man jedoch aus.

Die Rechnung über 8.000 Euro wurde 2012 vom Bundesamt für Korruptionsbekämpfung sichergestellt. Pro Juventute verrechnete den Betrag der "Dr. Hochegger Kommunikationsberatung GmbH". Auf dem Beleg findet sich laut "News" der handschriftliche Vermerk "Telekom Public Affairs". In den Buchhaltungsunterlagen der Hochegger-Firma ist von "Telekom Catering" die Rede. Die Rechnung dürfte, so das Magazin, Anfang Mai 2006 bezahlt worden sein.

Beteiligte bestreiten Vorwürfe

Ein Telekom-Sprecher sagte "News", dass im Unternehmen keine Buchung vorliege, die auf eine Weiterverrechnung hindeute. Man wisse jedoch nicht, ob Hochegger die Weiterverrechnung nicht in einer allgemeineren Abrechnung "verpackt" habe.

Pro Juventute betont dem Bericht zufolge, dass die 8.000 Euro ausschließlich für ein Projekt in der Steiermark, ein neues Haus für 13 Kinder und Jugendliche, verwendet worden seien. Ein Meinl-Sprecher sagte, dass es keine wie immer geartete Verbindung zwischen Julius Meinl und Peter Hochegger beziehungsweise der Telekom gegeben habe. Hochegger äußerte sich dem Magazin gegenüber nicht.

Hochegger und Grasser haben in sämtlichen Korruptionscausen stets alle Vorwürfe zurückgewiesen. Es gilt die Unschuldsvermutung. (APA, 21.8.2014)

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