Jihadistengruppe IS droht, weitere westliche Geiseln zu ermorden

21. August 2014, 14:49
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Wenn die USA weiter Luftangriffe fliegen, soll Reporter Sotloff getötet werden - Versuchte Befreiung von Journalist Foley gescheitert - Offenbar 4.000 Geiseln in Gewalt der IS

Nach der Ermordung des in Syrien entführten US-Journalisten James Foley haben Kämpfer der radikalislamischen Miliz Islamischer Staat (IS) gedroht, weitere Geiseln zu töten, wenn die US-Luftwaffe ihre Angriffe auf IS-Stellungen im Irak nicht einstellt.

Laut Informationen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte hat die IS in Syrien mindestens 4.000 Gefangene in ihrer Gewalt. Darunter seien auch "einige Dutzend Ausländer", sagte ein Sprecher der Beobachtungsstelle am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. Rund 20 Gefangene seien Amerikaner und Europäer.

Fehlgeschlagener Befreiungsversuch

Zudem wurde bekannt, dass US-Spezialeinheiten erst kürzlich vergeblich versuchten, US-Geiseln aus den Händen der IS in Syrien zu befreien. An dem Einsatz seien Luft- und Bodentruppen beteiligt gewesen, teilte das Pentagon am Mittwoch mit. Unter den dabei gesuchten Geiseln waren auch der seit 2012 vermisste Foley und der im Jahr 2013 entführte US-Reporter Steven Sotloff.

Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf namentlich nicht genannte US-Beamte, zwei Dutzend Elitesoldaten der Delta Force der US-Armee und SEALs der Marine seien "in einer komplizierten Aktion" per Hubschrauber in der Nähe einer Raffinerie im Norden Syriens abgesetzt worden.

Freigelassene gaben Hinweise

Die US-Behörden hatten die IS-Zelle, die mehrere westliche Geiseln in ihrer Gewalt hat, durch Aussagen freigelassener Europäer aufgespürt. Laut "Washington Post" waren dutzende Spezialkräfte an dem ersten bekanntgewordenen Einsatz von US-Bodentruppen in Syrien seit dem Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011 beteiligt.

Ein US-Soldat wurde verletzt, als IS-Kämpfer einen modifizierten Black-Hawk-Hubschrauber beschossen, der die Spezialeinheit in Sicherheit bringen sollte. Zur Unterstützung der Rettungsaktion waren mehrere US-Flugzeuge über Syrien im Einsatz.

Die syrische Regierung gab am Donnerstag bekannt, man wisse nichts von einem US-Militäreinsatz. Informationsminister Omran Zoabi sagte, ein Einsatz der US-Luftwaffe über Syrien sei ohne Zustimmung der syrischen Regierung unmöglich. Die IS-Miliz kontrolliert etwa ein Drittel des syrischen Territoriums.

Gescheiterte Erpressung

Vor Foleys Hinrichtung hat die Extremistengruppe Islamischer Staat monatelang versucht, seine Eltern zur Zahlung eines Lösegelds zu bewegen. Als sie mit ihren Forderungen nicht durchdrangen, informierten die Jihadisten nach Angaben von Foleys Arbeitgeber die Eltern knapp eine Woche im Voraus, dass ihr Sohn nun getötet werde.

Das erste Erpresserschreiben hätten die Islamisten per E-Mail im November 2013 und damit rund ein Jahr nach Foleys Verschwinden in der syrischen Provinz Idlib an die Familie geschickt, sagt der Chef des Online-Nachrichtendiensts GlobalPost, Phil Balboni. Die Familie ließ sich nicht darauf ein.

Im Gegensatz zu anderen Ländern wie etwa Frankreich lehnen die USA die Zahlung von Lösegeld in solchen Fällen grundsätzlich ab. Es seien daher nur wenige Nachrichten ausgetauscht worden, erinnert sich Balboni. Die Extremisten hätten sich kurz gefasst. "Sie stellten nur ihre Forderungen." Über die Höhe der Lösegeldforderung macht er keine Angaben.

Ermordung angekündigt

Danach hörte Foleys Familie monatelang nichts. In der Nacht vom 13. August - und damit sechs Tage vor Veröffentlichung des Enthauptungsvideos auf Youtube - erhielten die Eltern dann die kurze Nachricht, dass ihr Sohn hingerichtet werden solle. Die Familie habe die Ankündigung an die US-Behörden weitergeleitet, berichtet Balboni.

Das FBI half den Eltern, ein Antwortschreiben aufzusetzen. "Es war eine Bitte um Gnade", sagt Foleys Chef. Sie hätten versucht zu erklären, dass James ein unschuldiger Journalist gewesen sei, der das syrische Volk respektiert habe.

Jihadistischen "Krebs" im Irak und Syrien ausschalten

Die Ermordung Foleys vor laufender Videokamera löste weltweit Entsetzen aus. US-Präsident Barack Obama rief dazu auf, den jihadistischen "Krebs" im Irak und in Syrien gemeinsam auszuschalten. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte das Verbrechen auf das Schärfste.

Foleys sichtlich erschütterter Vater sagte, sein Sohn sei als "Märtyrer für die Freiheit" gestorben. John Foley und seine Frau Diane würdigten ihren Sohn als "mutigen, heldenhaften und mitfühlenden Journalisten und Amerikaner".

Weitere US-Luftschläge

Die US-Luftwaffe griff nach eigenen Angaben nach den Drohungen der Jihadisten vom Dienstag, auch Sotloff zu töten, 14-mal IS-Stellungen im Nordirak an. Wie ein ranghoher US-Beamter sagte, wollen die USA zudem möglicherweise bis zu 300 weitere Soldaten zum Schutz eigener Einrichtungen in Bagdad und der Kurdenmetropole Erbil in den Irak schicken. Insgesamt wurden seit Anfang Juni etwa 800 zusätzliche US-Soldaten in den Irak verlegt.

Für Ende September lädt Obama zu einem Terrorismusgipfel nach New York ein. An dem Treffen sollen die Staats- und Regierungschef der fünf UN-Vetomächte teilnehmen, sagte Marie Hart, Sprecherin im US-Außenamt, am Mittwoch. Vetomächten im UN-Sicherheitsrat sind neben den USA Russland, Großbritannien, Frankreich und China. (red/APA, 21.8.2014)

  • James Foley im Jahr 2012 in Aleppo, Syrien.
    foto: ap photo/freejamesfoley.org

    James Foley im Jahr 2012 in Aleppo, Syrien.

  • the white house

    US-Präsident Obamas Statement zum Tod von James Foley.

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