33 Monate Haft für Schuss durch Glastür in Wien

20. August 2014, 20:56
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Urteil auf absichtliche schwere Körperverletzung - Nicht rechtskräftig

Wien - Verteidiger Elmar Kresbach demonstriert in seinem Eröffnungsplädoyer literarisches Wissen. Die abgehörten Telefongespräche seines Mandanten Miodrag S. würden sich "wie die Chronik eines angekündigten Mordes" anhören, wandelt er den Titel eines Gabriel-García-Márquez-Romans leicht ab. Nur: Es sei nie einer geplant gewesen.

Am 27. September hat der Angeklagte einmal durch eine Milchglastüre geschossen. Sein Ziel, einen Bekannten, traf er nicht, dagegen dessen Lebensgefährtin, die schwer verletzt überlebte.

Das Motiv soll eine Tasche sein. Über deren Inhalt divergieren die Aussagen. Staatsanwalt Juan Pablo Gomez Reyes erzählt dem Geschworenengericht unter Vorsitz von Georg Olschak, es sei Schmuck gewesen. Diebsgut im Wert von zehntausenden Euro. Kresbach spricht dagegen von Wäsche und etwas Bargeld, da S. kurz zuvor aus seiner Wohnung ausziehen musste.

Einige Stunden vor der Tat traf man sich in einem Lokal. Der Angeklagte sagt, er habe rund ein Dutzend doppelte Schnäpse getrunken, daher könne er sich im Großen und Ganzen an nichts mehr erinnern. Auch an diverse Telefongespräche nicht, in denen er Dritten gegenüber einen Gewaltakt gegen seinen Bekannten ankündigte. "Beschimpfungen in den blühendsten Worten", nennt der Verteidiger das.

Interessant an dem Fall ist, dass die beiden Opfer zunächst ausgesagt haben, ein Unbekannter müsse der Täter sein - aus Angst, erklärt die angeschossene Frau nun. Festgenommen wurde S. übrigens, nachdem er später auch in einem Lokal einen Schuss abgab.

Der Mann ist am Mittwochabend im Straflandesgericht wegen versuchter absichtlicher schwerer Körperverletzung zu 33 Monaten unbedingter Haft verurteilt worden. Die Geschworenen schlossen sich mit ihrem Wahrspruch Verteidiger Kresbach an, der versichert hatte, seinem Mandanten habe es am Tötungsvorsatz gefehlt. Der Staatsanwalt meldete Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an, das Urteil ist daher nicht rechtskräftig. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 21.8.2014)

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