Notquartiere für Asylwerber: Zurück nach Traiskirchen

Kommentar20. August 2014, 17:43
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In diesem Streit wird mit den grundlegenden Bedürfnissen von Flüchtlingen gespielt

Wie ist es zu werten, wenn dringend Wohnraum für mehrere hundert Leute gesucht wird, aber man sie dort, wo es genug Platz für sie gäbe - im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen -, aufgrund eines bürokratisch ausgetragenen politischen Zwists nicht unterbringen kann? Wenn man daher leere Betten aus Traiskirchen quer durchs Land transportiert, um sie, zum Beispiel, im Speisesaal des Erstaufnahmezentrums Bad Kreuzen aufzustellen, der als Quartier wenig geeignet erscheint?

Tatsächlich: Wäre der Anlass nicht so ernst und menschenrechtsrelevant - das derzeitige Gezerre zwischen Bund und Ländern um Asylquartiere würde Stoff für eine Satire hergeben. So jedoch bleibt einem das Lachen im Hals stecken. Denn in diesem Streit wird mit den grundlegenden Bedürfnissen von Flüchtlingen gespielt, die aufzunehmen und zu betreuen die Republik sich verpflichtet hat.

Besagter Streit wird taktisch und doppelzüngig ausgetragen: Da lässt das Innenministerium öffentlichkeitswirksam wissen, dass es auch im Lager Thalham bereits ein Notquartier gebe. Doch im Gespräch der Ministerin mit dem betroffenen Ortschef war das dann gar nicht so gemeint. Dieses würdelose Schauspiel muss ein Ende haben: Wenn es, wie es scheint, ohne Traiskirchen bei der Erstunterbringung von Flüchtlingen nicht geht, muss der dortige Aufnahmestopp beendet werden, mit politischen oder bürokratischen Mitteln - unabhängig von Erwin Prölls Wünschen. (Irene Brickner, DER STANDARD, 21.8.2014)

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