Ermordung von James Foley: Unter uns

Kommentar20. August 2014, 17:40
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In den Gebieten der IS funktioniert die Taktik, Angst und Schrecken zu verbreiten

Zehn Jahre ist es her, dass mit dem aufziehenden Bürgerkrieg im Irak bei den sunnitischen Extremisten die Praxis der gefilmten Enthauptungen aufkam. Nicht nur Ausländer und vor allem Amerikaner, wie im Mai 2004 der Geschäftsmann Nick Berg, waren Opfer, es traf auch Iraker. Aber schon zwei Jahre vorher, 2002, hatte sich Al-Kaida in Pakistan für den amerikanischen Afghanistan-Feldzug in der gleichen Weise an dem "Wall Street Journal"-Korrespondenten Daniel Pearl gerächt wie heute der "Islamische Staat" (IS) für den US-Einsatz am Journalisten James Foley.

Der syrische Bürgerkrieg und seine Fortsetzung im Irak haben diesem Wahnsinn, der der Vergangenheit anzugehören schien, wieder Leben eingehaucht. In den Zielgebieten der IS funktioniert die Taktik, Angst und Schrecken zu verbreiten. Sie hat ihre grausamen Praktiken ab dem Zeitpunkt intensiviert, an dem sich erste Diskrepanzen zwischen ihren Zielen und denen ihrer Verbündeten - den sunnitischen Stämmen, Nationalisten und Altbaathisten - zeigten.

Zur Terrorisierung gehört Öffentlichkeit: Darum kommt die Botschaft zu denen, die weit weg vom Schauplatz sind, per Video. Wie auch die früheren, wird auch dieses die US-Politik natürlich nicht beeindrucken. Aber die Menschen im Westen dafür umso mehr: Denn der entscheidende Unterschied zu vor zehn Jahren ist der britische Akzent des Täters. Damals waren diese Mörder das Fremde schlechthin, heute kommen sie auch aus unserer Welt. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 21.8.2014)

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