Tierschützer protestieren gegen Verfolgung der Bärin Daniza in Italien

20. August 2014, 16:16
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Prominente drohen damit, keinen Urlaub mehr in der Region Trentino zu machen

Bisher war Daniza eine anonyme Bärin, die mit ihren Jungen durch den Naturpark Adamello-Brenta im Trentino streifte. Doch ein Beschluss der Trentiner Landesregierung, das Tier einzufangen, hat Daniza in wenigen Tagen italienweit bekannt gemacht und den verantwortlichen Politikern wütende Proteste eingebracht.

60.000 Menschen haben eine Petition im Netz unterzeichnet. Darin wenden sie sich gegen die Absicht, das Tier in einem Gehege unterzubringen, nachdem es einen Schwammerlsucher angefallen und am Bein verletzt hat, der sich ihren Jungen genähert hatte. Vor dem Regionalrat in Trient haben Tier- und Umweltschützer mit einer Mahnwache begonnen.

Urlaubsboykott angedroht

Prominente wie die Sängerin Ornella Vanoni drohen dem Trentino mit einem Urlaubsboykott. Italiens größte Umweltschutzvereinigung Legambiente hat eine Rücknahme des "unsinnigen" Beschlusses gefordert. Nach Überzeugung der Landesregierung könnten die beiden Jungen im Alter von sieben Monaten auch ohne Muttertier überleben. Das wird von mehreren Experten bestritten. Man werde die Jungtiere jedenfalls beobachten.

Der Zoologe Osvaldo Negra vom Naturwissenschaftlichen Museum in Trient erklärte, Bärenjunge blieben bis zu eineinhalb Jahre bei ihrer Mutter. Mit unverhohlener Häme registriert die wachsende Zahl von Daniza-Freunden, dass die zwölfjährige Bärin bisher alle Fallen gemieden und sich in ein entlegenes Tal des Naturparks zurückgezogen hat.

Umweltschützer bezweifeln indessen die Erzählung des Schwammerlsuchers Daniele Maturi aus Pinzolo, der den Angriff der Bärin geschildert hatte, und werfen ihm vor, sich unvorsichtig den Jungen genähert und damit die Reaktion des Tieres ausgelöst zu haben.

Leitartikel in Tageszeitung

Die aus Slowenien stammende Bärin trägt ein Halsband mit einem Sender, das ihr Auffinden eigentlich jederzeit möglich machen sollte. Dennoch ist der Versuch von fünf Förstern, sie einzufangen, bisher gescheitert. Das dürfte freilich weniger an deren Unfähigkeit liegen als an der wachsenden Zahl von Urlaubern, die damit drohen, ihre Ferien in Zukunft nicht mehr im Trentino zu verbringen.

Daniza, der die Tageszeitung "La Stampa" sogar einen Leitartikel gewidmet hat, genießt indessen in den Wäldern des Naturparks ihre Freiheit. Es ist nicht das erste Mal, dass die Bärenpopulation des Trentiner Projekts "Ursus Life" für Schlagzeilen sorgt. Mehrere Problembären hatten in den letzten Jahren ausgedehnte Wanderungen nach Deutschland und in die Schweiz unternommen, wo zwei von ihnen erlegt wurden. Ein weiterer wurde in Südtirol bei einem Verkehrsunfall getötet.

Braunbär riss Kuh

Unterdessen wurde bekannt, dass ein Braunbär mit dem "Namen" M4 auf einer Hochebene in den Dolomiten eine Kuh riss - nicht zum ersten Mal. Der Kadaver wurde von den Bewohner einer Berghütte entdeckt. Bisher hat der Bär in diesem Raum bereits mehr als 20 Kühe und Esel getötet.

Für die von M4 verursachten Schäden hat die Region Veneto bereits 25.000 Euro zur Verfügung gestellt. Mehrere Tierzüchter überlegten, wegen der Bärengefahr ihre Kühe frühzeitig von den Bergen zu holen. (Gerhard Mumelter, derStandard.at, 20.8.2014)

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