Nichts für Weicheier

Kolumne20. August 2014, 16:40
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Diese Hose wurde lange unterschätzt, jetzt taugt die "Mom-Jeans" sogar als politisches Statement

Diese Hose ist eine Beleidigung - und nur was für echte Weicheier. Zumindest, wenn es nach Sarah Palin geht. Die Republikanerin verhöhnte vor einigen Monaten Barack Obama als "Mom-Jeans"-Träger. Für alle, die nicht so genau wissen, was Obama da trug und wie eine Hose zur Beleidigung werden kann: Eine "Mom-Jeans" schlägt Falten, wo keine sein sollen, der Bund verliert sich irgendwo über dem Bauchnabel und der Rest knittert karottig die Beine hinunter.

Kurz gesagt: "Mom-Jeans" sind das Gegenteil der knackigen Jeanshintern, die uns die Denim-Hersteller verkaufen wollen. Und wenn Sarah Palin erklären müsste, was "Mom-Jeans" eigentlich sind, würde sie wohl zur nächsten Beleidigung ausholen: So was tragen Mütter, die zwischen Spielplatz und Wickeltisch die Nerven weggeworfen haben. Bei Sarah Palin ist das natürlich ganz anders. Sie steht in knackigen Bootcut-Modellen ihre Frau. Dass sie noch nicht mitbekommen hat, dass formlose Jeans nicht mit fehlender Haltung gleichzusetzen sind, darf also nicht verwundern.

Auf "Mom-Jeans"-Kurs

Vielleicht sollte Palin trotzdem mal genauer hinschauen. Dann würde sie große Augen machen. Die britische "Vogue" ist nämlich schon auf "Mom-Jeans"-Kurs. Und eine ganze Generation an Jeans-Trägerinnen hat in ihr eine Alternative zum Schlauch namens Skinny gefunden hat. Ist ja auf die Dauer langweilig, dass sich mittlerweile alle in die eng anliegenden, Sexyness versprechenden Schläuche wursteln - sogar die modisch versierten Mütter unter ihren langen Zipfelwesten.

Was bleibt den Töchtern also anderes als der stille Protest mit hohen Jeansbünden und langen Zippverschlüssen übrig? So was trug man zuletzt flächendeckend 1989, als die Mauer fiel. Später machte in ihr die "Beverly Hills, 90210"-Gang RTL unsicher, Prinzessin Diana reiste 1997 in ihrer hochgezogenen "Mom-Jeans" durch Bosnien. Dazu schlichte weiße Blusen, die wohl die Ernsthaftigkeit ihres Engagement gegen Landminen unterstreichen sollten.

Dicke Ledergürtel hielten damals die Hosen fest, die T-Shirts wurden in den Hosenbund gesteckt. Heute ist die "Mom-Jeans" keine so ernsthafte Angelegenheit mehr. Stattdessen wird ein bisschen Brenda aus "Beverly Hills" zitiert und Frauen wie Sarah Palin gezeigt, dass "Mom-Jeans" wirklich nichts für Weicheier sind. (Anne Feldkamp, derStandard.at, 20.8.2014)

>> Eine Auswahl aktueller Modelle

  • Lady Gaga trug schon im Jahr 2012 "Mom-Jeans".

    Lady Gaga trug schon im Jahr 2012 "Mom-Jeans".

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