Hälfte der Schwarzen fühlt sich in Österreich diskriminiert

20. August 2014, 13:20
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Umfrage in österreichischen Städten: Jeder zweite wurde in Öffis rassistisch beschimpft

Wien - Viele Menschen mit schwarzer Hautfarbe fühlen sich in Österreich diskriminiert. Rund die Hälfte von ihnen wurde nach eigenen Angaben im öffentlichen Raum im letzten Jahr rassistisch beschimpft oder belästigt. Das geht aus einer Studie über die Lebenssituation von neuen Minderheiten in Österreich am Beispiel von Menschen mit dunkler Hautfarbe hervor, die im Oktober 2013 veröffentlicht wurde.

Für die von der Medienservicestelle Neue Österreicher/innen veröffentlichte Umfrage des Europäischen Trainings- und Forschungszentrums für Menschenrechte und Demokratie in Graz wurden 717 Personen befragt. Zielpersonen waren Menschen schwarzer Hautfarbe mit Lebensmittelpunkt in Österreich. Die Umfrage erfolgte in den Städten Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck zwischen März und Oktober 2012.

Beschimpft oder belästigt

Rund 52 Prozent der Befragten gaben an, mindestens ein Mal in den vergangenen zwölf Monaten in öffentlichen Verkehrsmitteln wegen ihrer Hautfarbe oder Herkunft rassistisch beschimpft oder belästigt worden zu sein. Mit 47 Prozent ist dies auf offener Straße fast ebenso häufig der Fall.

Etwa 13 Prozent der Befragten wurden im selben Zeitraum auf offener Straße tätlich angegriffen. Rund 53 Prozent der Studienteilnehmer wurden mindestens ein Mal von der Polizei aufgefordert, sich auszuweisen. Davon waren 51 Prozent der Ansicht, dass die Amtshandlung nicht korrekt verlaufen sei.

Fast 40 Prozent der Befragten gaben an, in den vergangenen sechs Monaten Beschränkungen im Zugang zu Gastbetrieben ausgesetzt gewesen zu sein. 50 Prozent sagten aus, wohl eingelassen worden zu sein, sich aber nicht willkommen gefühlt zu haben.

Behandlung vor Gericht

Das Verhalten von Behördenvertretern wurde mit 30 Prozent als eher respektlos oder respektlos beurteilt. Am schlechtesten wurden dabei Gerichte bewertet: 17 Prozent der Befragten fühlten sich respektlos behandelt, 23 Prozent bewerteten die Behandlung als eher respektlos. Zwei Drittel der Studienteilnehmer, die sich vor Ämtern und Behörden respektlos behandelt fühlten, haben sich darüber nicht beschwert.

Der Aussage "Im österreichischen Rechtssystem werden alle gleich behandelt, unabhängig von der Hautfarbe" stimmten nur 19 Prozent voll, 16 Prozent eher zu. Somit zweifeln 65 Prozent der Befragten an dem Gleichheitsgebot vor Behörden und Gerichten in Österreich.

Auffallend ist hierbei, dass befragte Personen, die noch keine Erfahrung mit dem österreichischen Rechtssystem gemacht haben, eher (50 Prozent) an eine Gleichbehandlung im Rechtssystem glauben als jene, die über Erfahrungen verfügen (28 Prozent).

Medizinische Versorgung

Etwas positiver wurde das Gesundheitswesen beurteilt. Der Aussage, "Schwarze Menschen erhalten in Österreich eine gleich gute medizinische Betreuung wie Weiße" stimmte etwa ein Drittel eher nicht (18 Prozent) oder nicht (16 Prozent) zu. Bei Inanspruchnahme einer medizinischen Versorgung fühlten sich 16 Prozent nicht oder eher nicht respektvoll behandelt.

Als Angehörige eines Patienten hatten 17 Prozent hatten das Gefühl, nicht angemessen respektvoll behandelt zu werden. Sechs Prozent gaben an, rassistische Äußerungen vonseiten des Personals gehört zu haben; zwei Prozent gaben an, derartige Äußerungen zumindest so verstanden zu haben.

Diskriminierung am Arbeitsplatz

Im Berufsleben sahen sich zwei Drittel der Befragten in den in den vergangenen drei Jahren nie einer Benachteiligung gegenüber Kollegen ausgesetzt. 25 Prozent führten an, ein bis drei Mal benachteiligt worden zu sein. Neun Prozent der Befragten gaben eine noch häufigere Benachteiligung an. Etwa 39 Prozent der Studienteilnehmer erlebten oder wurden Zeugen von rassistischen Äußerungen im Laufe ihres Arbeitslebens.

Zum Großteil kamen diese von Kollegen (rund 74 Prozent), gefolgt von Kunden (23 Prozent) und Vorgesetzten (21 Prozent). 19 Prozent der Befragten berichteten von rassistischen Übergriffen gegen sie persönlich, zumeist durch Kollegen (71 Prozent).

Einschränkungen bei Lebensqualität

61 Prozent der Befragten glauben, dass Schwarze in Österreich als "fremd" wahrgenommen werden. Und von jenen, die sich als fremd wahrgenommen fühlen, empfinden 43 Prozent ihre Lebensqualität stark und weitere 33 Prozent zumindest etwas beeinträchtigt. Die Darstellung von Schwarzen in der Öffentlichkeit und in den Medien wird von fast 60 Prozent als überwiegend abwertend beurteilt. (APA, 20.8.2014)

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    grafik: apa
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