Hoher Energieaufwand: Schlangen gehen beim Klettern auf Nummer sicher

20. August 2014, 16:33
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Schlangen halten sich im Durchschnitt mit erheblich mehr Kraft fest, als nötig wäre, um nicht abzurutschen

Albany - Bewegen sich Schlangen durch die Bäume, dann gehen sie kein Risiko ein: Sie klammern sich dabei mit wesentlich mehr Kraft an den Ästen fest, als eigentlich nötig wäre, um nicht abzurutschen. Besonders groß ist dieser Sicherheitspuffer bei der in Lateinamerika verbreiteten Königsboa (Boa constrictor). Die wendet beim Klettern im Durchschnitt das Fünffache der eigentlich benötigten Kraft auf.

Das berichten Greg Byrnes vom Siena College in Loudonville (US-Staat New York) und Bruce Jayne von der Universität Cincinnati (US-Staat Ohio) in den "Biology Letters" der britischen Royal Society. Während viele Tiere zum Klettern Krallen verwenden oder sich wie Geckos mit Saugnäpfen festhalten, müssen sich Schlangen mit reiner Muskelkraft anklammern. Das Zusammenziehen der Muskeln kostet das Tier viel Energie. Andererseits könnte ein Abrutschen lebensgefährlich sein.

Klettern nach dem Ziehharmonika-Prinzip

Byrnes und Jayne untersuchten nun, wie die Tiere diese Herausforderung meistern. Dazu ließen sie zehn Schlangen fünf verschiedener Arten jeweils zehn Mal einen Zylinder erklettern. Der Zylinder hatte einen Durchmesser von 4,1 Zentimetern, war mit Drucksensoren versehen und mit strukturiertem Band beklebt. Alle Schlangen bewegten sich Ziehharmonika-artig: Während der untere Teil den Zylinder umschlingt, bewegt sich der vordere Teil nach oben und windet sich dort fest. Dann löst die Schlange den hinteren Teil und zieht ihn nach.

Die Forscher ermittelten für jede Schlange den Reibungskoeffizienten. Auch bestimmten sie die Kraft, die das Tier aufgrund seines Gewichts aufbringen muss, um seinen Körper gegen die Schwerkraft zu stemmen. Beides zusammen ergab die Kraft, die notwendig war, um die Schlange nicht abrutschen zu lassen. Diesen Wert verglichen Byrnes und Jayne mit den in den Versuchen gemessenen Werten.

Königsboa klammert mit besonders viel Kraft

Das Ergebnis überraschte die Wissenschafter: Im Durchschnitt wendeten die Schlangen das Dreifache der notwendigen Kraft auf, um sich festzuhalten. Leichtere Schlangen wie ein 47 Gramm schwerer Tanimbar-Python (Morelia nauta) oder ein 80 Gramm schwerer Rautenpython (Morelia spilota) schlangen sich nur zweimal so fest wie nötig. Den besonders großen Sicherheitsbedarf der Königsboa erklären Byrnes und Jayne damit, dass diese weniger an das Leben im Baum angepasst sei als die anderen getesteten Spezies.

Eine frühere Untersuchung hatte ermittelt, dass Schlangen beim Erwürgen ihrer Beute ihre Kraft sehr genau dosieren können. Wenn sie beim Klettern dennoch fester zupacken, lege das nahe, "dass ein großer Sicherheitsfaktor, um ein Abrutschen und Fallen zu verhindern, wichtiger ist als eine energiearme Fortbewegung", schreiben die Forscher. (APA/red, derStandard.at, 20.08.2014)

  • Die Grüne Hundskopfboa (Corallus caninus) ist gut an das Leben in den Bäumen angepasst. Die Königsboa tut sich dagegen beim Klettern viel schwerer und wendet das Fünffache der eigentlich benötigten Kraft auf, um nicht abzustürzen.
    foto: ap photo/andre penner

    Die Grüne Hundskopfboa (Corallus caninus) ist gut an das Leben in den Bäumen angepasst. Die Königsboa tut sich dagegen beim Klettern viel schwerer und wendet das Fünffache der eigentlich benötigten Kraft auf, um nicht abzustürzen.

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