Ebola: Liberia verhängt nächtliche Ausgangssperre

20. August 2014, 16:03
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Endgültige Entwarnung in Berliner Verdachtsfall

Freetown/Conakry/Lagos - Liberia hat wegen der Ebola-Epidemie eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 21.00 Uhr und 6.00 Uhr verhängt. In einer Rundfunkansprache kündigte Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf am Dienstagabend zudem an, zwei ganze Stadtviertel ab Mittwoch unter Quarantäne zu stellen, davon eines in der Hauptstadt Monrovia. Bei den Bewohnern dort sorgte die Maßnahme für wütende Proteste.

In ihrer Ansprache beklagte Sirleaf, dass es ihrem Land trotz Verhängung des Ausnahmezustands und weiterer drakonischer Maßnahmen nicht gelinge, die Epidemie in den Griff zu bekommen. Verantwortlich dafür sei auch, dass die Bevölkerung die Seuche nach wie vor verleugne, dem Rat der Experten und Ärzte nicht folge und alle Warnungen der Regierung in den Wind schlage, sagte sie.

In der Nacht auf Sonntag hatten mit Messern und Knüppeln bewaffnete Angreifer eine Isolierstation in Monrovias Armenviertel West Point verwüstet und 17 Ebola-Patienten befreit. Sie leugneten die Epidemie und warfen Sirleaf vor, mit ihren Warnungen nur an internationale Hilfsgelder kommen zu wollen.

Slum unter Quarantäne

Die geflüchteten Patienten meldeten sich erst drei Tage später wieder in einem anderen Krankenhaus der Stadt. Die Behörden befürchten nun, dass sich zahlreiche weitere Bewohner von West Point mit dem Erreger angesteckt haben und stellten deshalb den gesamten Slum mit seinen 75.000 Einwohnern unter Quarantäne. Komplett isoliert wurde zudem die Ortschaft Dolo in der Region Margibi.

Die Bewohner von West Point traf die Maßnahme am Mittwoch völlig unvorbereitet. Nach Angaben von Augenzeugen schleuderten wütende Einwohner Steine auf die Soldaten und Polizisten, die ihr Viertel komplett abriegelten. Andere beschwerten sich im Radio, dass sich die Preise in den Geschäften über Nacht verdoppelt hätten.

1.200 Tote

Liberia ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO mit bisher 466 Toten am schwersten von der Ebola-Epidemie betroffen. Insgesamt gibt es mittlerweile mehr als 1.200 Tote und über 2.200 Infizierte. Die WHO erklärte die Epidemie inzwischen zum Gesundheitsnotfall und ließ den Einsatz noch nicht erprobter Medikamente und Impfstoffe in den betroffenen Ländern zu.

Das Ebola-Virus war zunächst zu Jahresbeginn in Guinea aufgetaucht, im Grenzgebiet zwischen Sierra Leone und Liberia. Es verbreitete sich rasch in den beiden Nachbarstaaten und erreichte schließlich Nigeria, das am Dienstag sein fünftes Todesopfer meldete. Der Erreger löst hämorrhagisches Fieber aus, das in vielen Fällen zum Tod führt. Von Mensch zu Mensch überträgt sich das Virus durch Körperflüssigkeiten.

Entwarnung in Deutschland und Österreich

Die USA, Vietnam und Myanmar meldeten unterdessen weitere Verdachtsfälle. Bei drei Verdachtsfällen in Österreich und Deutschland gab es hingegen wieder Entwarnung. Alle Tests auf Ebola verliefen negativ. (Reuters/APA, 20.8.2014)

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