Schachtjor Donezk im Exil, Rivalen wittern Morgenluft

19. August 2014, 17:45
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Ukrainischer Serienmeister muss Heimspiele in Lviv austragen, dem Kader droht ein Exodus

Wien - Nur noch auf Werbeplakaten ist die Mannschaft von Schachtjor Donezk im Straßenbild der vom Krieg in der Ostukraine getroffenen Donbass-Metropole präsent. Die prekäre Lage in der Profis des Serienmeisters längst ins Fußball-Exil vertrieben. Training in Kiew, Heimspiele in Lviv (Lemberg) - so sieht seit Wochen der Alltag jenes Teams aus, das die Tabelle der Premjer-Liha selbstverständlich bereits wieder anführt.

Denn rein sportlich gesehen läuft es beim Titelverteidiger mit vier Siegen in vier Spielen bestens, die interne Stimmung jedoch gedrückt. Viele der ausländischen Spieler suchen einen neuen Arbeitgeber, bis zum Ende der Transferperiode und noch vor dem Start in die Champions League, wo Schachtjor einen Fixplatz in der Gruppenphase innehat, könnte der Kader von Trainer Mircea Lucescu erheblich zusammenschrumpfen. "Ich kann natürlich verstehen, dass die Spieler sich Gedanken machen", sagte der Rumäne. Er selbst ist Schachtjor schon seit zehn Jahren treu.

Fan-Subvention

Um im rund 1000 Kilometer westlich von Donezk entfernten Lemberg ein wenig Heimspielatmosphäre zu erzeugen, werden die schwierigen und langwierigen Reisen der Fans quer durch das zerrissene Land vom Klub des Milliardärs Rinat Achmetow zu großen Teilen subventioniert. Die Tickets kosten umgerechnet nur einen knappen Euro.

Trotzdem ist die Atmospähre in der EM-Arena von 2012 nicht mit der heimischen Arena vergleichbar. Lucescu: "Natürlich mögen die heimischen Zuschauer ihren Klub lieber als unser Team." Das wird wohl stimmen, auch wenn Karpaty Lviv zumeist in den unteren Regionen der Tabelle herumgrundelt.

Schachtjors Lokalrivalen geht es kaum besser, auch Metalurg und Olimpik Donezk haben ihrer Heimatstadt längst den Rücken kehren müssen. Dem FC Zorja Lugansk wird bis auf Weiteres Asyl beim FC Metalurg Saporoschnje gewährt.

Dass der ukrainische Fußball-Verband die Meisterschaftsspiele ungeachtet der kriegerischen Auseinandersetzungen mit den russischen Separatisten durchzieht, soll ein Stück Normalität vorgaukeln. "Sie sind Sinnbild der Einheit der Ukraine", erklärt Oleg Sinjutka, Bürgermeister des plötzlich zur ukrainischen Fußball-Hauptstadt aufgestiegenen Lviv.

Dynamo und Dnjepr im eigenen Haus

Der fehlende Heimvorteil allerdings macht Lucescu Sorgen: "Da kann sich etwas verschieben. Am Ende wird möglicherweise die Mannschaft Meister werden, bei der das Umfeld am ehesten stimmt." Nach fünf Titeln in Serie für Donezk wittern die Rivalen Dynamo Kiew und Dnjepr Dnjeprpetrowsk jedenfalls Morgenluft. Sie können in ihrer angestammten Umgebung ihrem Beruf nachgehen. (sid/red - 19.8. 2014)

  • Vor dem Cupfinale im Juli verantstalteten die Anhänger von Dynamo Kiew und Schachtjor einen Marsch für eine geeinte Ukraine durch Lemberg. Auf dem Banner steht zu lesen: "Ruhm der Nation". Das Match entschieden dann die Hauptstädter mit 2:1 für sich.
    foto: reuters/baluk

    Vor dem Cupfinale im Juli verantstalteten die Anhänger von Dynamo Kiew und Schachtjor einen Marsch für eine geeinte Ukraine durch Lemberg. Auf dem Banner steht zu lesen: "Ruhm der Nation". Das Match entschieden dann die Hauptstädter mit 2:1 für sich.

  • Weniger beliebt: Russlands Präsident Putin.
    foto: reuters/baluk

    Weniger beliebt: Russlands Präsident Putin.

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