Krieg im Irak und in Syrien: Der "Kalif" droht

Kommentar19. August 2014, 18:11
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Die IS hat sich zu einem attraktiven Ziel für Söldner jeder Couleur und Radikalisierte aus aller Herren Länder entwickelt

Vor genau einem Jahr hat US-Präsident Barack Obama einen bereits in der Luft liegenden Militärschlag auf Syrien abgesagt und stattdessen die von Russland vermittelte Abrüstung der Chemiewaffen des syrischen Regimes akzeptiert. Diese ist nun abgeschlossen - während die USA im Irak Einsätze gegen einen Gegner des Assad-Regimes fliegen. Besser könnte man die Entwicklungen des vergangenen Jahres nicht illustrieren.

Die moderate syrische Opposition sowie Saudi-Arabien und Co neigen dazu, den Siegeszug des "Islamischen Staats" (IS) als Folge der zögerlichen Syrien-Politik Obamas zu betrachten. Umgekehrt muss aber das Gedankenspiel erlaubt sein, ob, wenn die USA gegen Assad eingegriffen hätten, die IS nicht vielleicht heute in Damaskus sitzen würde.

Zur damaligen Verschonung Assads kommt nun das US-Engagement im Irak, das den IS-Vormarsch stoppen soll. Die IS reagiert mit Drohungen von Attentaten auf Amerikaner weltweit, und die Bürger der Waffenlieferanten Frankreich und Großbritannien kann man sich getrost als gefährdet dazudenken. Im Moment bindet der Jihad in der Region die Kräfte: Die IS hat sich zu einem attraktiven Ziel für Söldner jeder Couleur und Radikalisierte aus aller Herren Länder entwickelt. Die Ressourcen der IS sind nicht unendlich. Aber bei dem überterritorialen Konzept des "Kalifen" und seines Kriegs besteht immer die Gefahr, dass Einzeltäter und Gruppen den Auftrag annehmen könnten. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 20.8.2014)

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