Arbeitslosigkeit als Saat für Stagnation

20. August 2014, 09:50
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Ökonomen warnen Zentralbanken, dass die hohe Arbeitslosigkeit zur Stagnationsgefahr in Europa und den USA beiträgt

Washington/Wien - Der Arbeitsmangel macht ihnen Angst. Wenn sich Zentralbanker aus aller Welt, ab Donnerstag im beschaulichen Bergdorf Jackson Hole in den Rocky Mountains treffen, dann stehen die Gespräche auf höchster geldpolitischer Ebene im Zeichen des Arbeitsmarktes. Denn während die lockere Geldpolitik an den Finanzmärkten zu neuen Börsenhochs geführt hat, ist von der Euphorie in der Realwirtschaft weniger angekommen.

Im Gegenteil: Vergangene Woche haben renommierte Ökonomen und Vertreter von internationalen Wirtschaftsinstitutionen in einem Buch ein Schreckensszenario für die USA und Europa dargelegt, die Stagnation. Der Sukkus von Volkswirten wie Nobelpreisträger Paul Krugman und IWF-Chefökonom Olivier Blanchard: Zinsen und Wachstum werden lange deutlich niedriger bleiben als vor der Krise.

Arbeitslosigkeit ist höher als gemessen

Der Hauptgrund neben der anhaltend hohen Schuldenlast ist ein von der Krise zerrütteter Arbeitsmarkt. Selbst in den USA, die höhere Wachstumsraten als die Eurozone verzeichnen, ist US-Notenbankchefin Janet Yellen mit der Erholung unzufrieden. Als ausgewiesene Expertin für den Arbeitsmarkt warnt sie davor, nur auf die Arbeitslosenrate zu schielen. Diese ist zwar auf 6,2 Prozent gefallen, was für viele Ökonomen schon ein baldiges Ende der Nullzinspolitik suggeriert.

Doch fasst man die Arbeitslosigkeit breiter auf, inkludiert etwa unfreiwillige Teilzeitkräfte und jene US-Amerikaner, die die Jobsuche aufgegeben haben, dann ist die Arbeitslosenquote über zwölf Prozent. US-Bürger sind im Schnitt drei Mal so lange arbeitslos wie vor 2007.

Angesichts dieser Daten sind auch US-Experten nervös. "Ein erneuter Konjunktureinbruch wäre kaum in den Griff zu bekommen", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters den Ex-Chefvolkswirt der Fed, David Stockton.

"Viel Hoffnung verloren"

Mario Draghi, Präsident der EZB, könnte sich bei seiner Reise in die Rocky Mountains aber Anregungen für seine eigene Politik mitnehmen. Denn die Lage auf Europas Arbeitsmarkt ist noch dramatischer als in den USA. Die Arbeitslosenrate in der Eurozone liegt bei 11,5 Prozent, laut Statistikbehörde Eurostat sind 18 Millionen Menschen im Währungsraum ohne Job. Bei einer breiteren Definition ist es sogar jeder Sechste. In Spanien und Griechenland liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei über 50 Prozent.

"Den Arbeitsmarkt kann man nicht isoliert von der Geldpolitik betrachten", sagt Guntram Wolff, Leiter der Brüsseler Denkfabrik Bruegel. Dass die Arbeitslosigkeit in der Eurozone so viel höher ist als in den USA, liege auch daran, dass die EZB bei ihrer Geldpolitik deutlich zögerlicher war, als die US-Notenbank Fed und keine Staatsanleihen im großen Umfang aufgekauft hat. Daher sei die EZB gefordert: "Die Arbeitslosigkeit ist nicht nur ein Problem an sich. Sind Menschen lange ohne Arbeit, geht viel Humankapital und Hoffnung verloren", sagt Wolff. Das könne langfristig aufs Wachstum drücken. Hysteresis nennen Ökonomen diesen Nachhalleffekt von Krisen.

Wolff hegt die Hoffnung, dass die Zentralbanken angesichts hoher Arbeitslosigkeit und niedriger Inflation die Wirtschaft noch länger stützen - und so die langfristigen Krisenkosten etwas senken. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 20.8.2014)

  • Lange Schlangen vor den Arbeitsämtern gehören nicht nur in Griechenland zum Alltag. Ökonomen warnen, dass die Langzeitarbeitslosigkeit das Wachstum langfristig dämpft
    foto: reuters

    Lange Schlangen vor den Arbeitsämtern gehören nicht nur in Griechenland zum Alltag. Ökonomen warnen, dass die Langzeitarbeitslosigkeit das Wachstum langfristig dämpft

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