Unkaputtbare Verwechslungskomödie

19. August 2014, 17:27
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"Liebe und Zufall": Armes Theater Wien präsentiert rasante 90-Minuten-Fassung der Marivaux-Komödie

Pierre Carlet, Marivaux genannt, behandelte gern auch aufklärerische Themen: In Die Insel der Sklaven (1725) demonstriert er, wie zufällig und ungerecht die Diener- und die Herrenrollen verteilt sind. Seine Spezialität aber waren Verwechslungskomödien, in denen sich zwei Menschen trotz scheinbarer Standesunterschiede ineinander verlieben. Sie erweisen sich als gleichrangig - und damit wie füreinander geschaffen. Genau darum geht es auch im unkaputtbaren Spiel von Liebe und Zufall (1730).

Es ist quasi eine Versuchsanordnung: Zwei Väter wollen ihre Kinder miteinander verheiraten, üben aber keinen Zwang aus: Die beiden sollen sich abtesten. Und so kommt es, dass Dorante und Silvia unabhängig voneinander in andere Identitäten schlüpfen: Sie vertauschen die Rollen mit der Zofe beziehungsweise dem Kammerdiener. Nur Orgon, der Vater von Silvia, weiß Bescheid - und er zieht genussvoll die Fäden.

In der rasanten 90-Minuten-Fassung Liebe und Zufall des Armen Theaters Wien von Erhard Pauer ist Manfred Jaksch allerdings ein wenig zu gütig. Wie zu erwarten war: Silvia hält den Mann, der sich als Dorante vorstellt, für geschmacklos - und verliebt sich in den niveauvollen Diener. Sie stellt fest, dass beide Männer nicht am richtigen Platz sind, durchschaut das Spiel aber nicht. Derweil fliegen die falsche Silvia und der falsche Dorante aufeinander. Die Wahrheit einzugestehen fällt ihnen verdammt schwer. Aber welche Befreiung ist es, wenn sie nicht mehr gestelzt reden müssen.

Roswitha Meyer und Florian S. Fitz, beide grell gewandet, vermögen gerade in dieser Szene zu überzeugen. Steven Klopp hingegen ist als Dorante bloß ein Bub, der nicht kapiert, wie ihm geschieht: Der zu Tode betrübten, himmelhoch jauzenden Krista Pauer wird er nie Herr. Als Requisiten dienen ein paar Sessel: Der Biedermeiersaal im Wiener Volksliedwerk voller Fresken mit verliebten Putti ist Bühnenbild genug. (trenk, DER STANDARD, 20.8.2014)

20., 21., 25.-28.8., Bockkeller, Gallitzinstraße 1, 20.00

  • Falsche Zofe, falscher Diener, echte Liebe: Krista Pauer und Steven Klopp in "Liebe und Zufall".
    foto: armes theater

    Falsche Zofe, falscher Diener, echte Liebe: Krista Pauer und Steven Klopp in "Liebe und Zufall".

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