Neue Gefechte in Nahost - Gespräche um Waffenruhe gescheitert

20. August 2014, 11:48
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Verhandlungen in Kairo abgebrochen, beide Seiten weisen sich gegenseitig die Schuld zu - Familie von Militärchef im Gazastreifen getötet - Hamas droht mit Angriffen auf Flughafen von Tel Aviv

Gaza/New York - Nach dem Ende einer mehrtägigen Waffenruhe haben sich Israel und die radikalislamische Hamas wieder Gefechte geliefert. Der palästinensische Chefunterhändler erklärte die Gespräche über eine dauerhafte Waffenruhe in Kairo für gescheitert, die israelische Delegation war bereits zuvor aus Ägypten abgereist.

Nachdem schon Stunden vor Ablauf der befristeten Feuerpause in der Nacht zum Mittwoch Raketen in Israel eingeschlagen waren, flog auch Israels Luftwaffe wieder Angriffe im Gazastreifen. Insgesamt hätten militante Palästinenser bereits mehr als 80 Raketen abgeschossen, teilte eine israelische Armeesprecherin mit, einige davon hätten abgefangen werden können. Verletzt wurde in Israel niemand. Israels Militär habe rund 60 Ziele im Gazastreifen angegriffen.

Dabei wurden nach Angaben der Hamas auch die Frau und eine kleine Tochter ihres Militärchefs Mohammed Deif getötet. Deif ist seit 2002 Kommandant des bewaffneten Arms der Hamas, der Ezzedin-al-Qassam-Brigaden, und gilt in Israel mittlerweile als Staatsfeind Nummer eins. Er hat mindestens fünf israelische Attentate überlebt. Israel hat am Mittwoch den Versuch der gezielten Tötung Deifs bestätigt. Das berichtete das Zweite Israelische Fernsehen unter Berufung auf einen Regierungsvertreter.

Israelische Luftangriffe

Im Gazastreifen starben nach palästinensischen Angaben mindestens 19 Menschen. Bei einem Luftangriff in Deir al-Balah im Süden des Gazastreifens am frühen Mittwochmorgen wurden nach Angaben der Rettungsdienste sechs Menschen getötet: eine schwangere Frau, drei Kinder und zwei Männer, die alle derselben Familie angehörten.

Am Dienstagnachmittag waren Raketen in Tel Aviv und in der südisraelischen Stadt Beersheba eingeschlagen. Die Ezzedin-al-Qassam-Brigaden erklärten, am Abend sei auch eine Rakete auf Jerusalem abgefeuert worden. Kurz zuvor war in der israelischen Hauptstadt Luftalarm ausgelöst worden. Nach Polizeiangaben schlug offenbar aber nur ein Geschoß außerhalb des Stadtgebiets im Westjordanland ein.

Gegenseitige Vorwürfe

Bereits am Dienstagnachmittag hatte Israel wegen der Raketenangriffe seine Delegation von den Gesprächen über eine dauerhafte Waffenruhe abgezogen. Mit dem Raketenbeschuss hätten die Palästinenser nicht nur die Waffenruhe gebrochen, sondern auch die Grundlage für die Verhandlungen zerstört, sagte der Sprecher von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Mark Regev.

Auch die palästinensische Delegation wollte Kairo am Mittwoch verlassen, wie Chefunterhändler Azzam al-Ahmed sagte. Er machte Israel für das Scheitern der mehrfach verlängerten Feuerpause verantwortlich: "Israel hat das Treffen vereitelt, das Frieden bringen hätte können ... Es war Israels Entscheidung die Gespräche scheitern zu lassen."

Die ägyptische Regierung hat Israelis und die Palästinenser am Mittwoch aufgerufen, die Verhandlungen in Kairo um eine dauerhafte Waffenruhe fortzusetzen. Das Außenministerium äußerte in einer Mitteilung "tiefstes Bedauern", dass die Gespräche abgebrochen wurden.

UN-Generalsekretär enttäuscht

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon zeigte sich vom Bruch der Waffenruhe am Dienstag schwer enttäuscht. Er erinnerte nach Angaben der Vereinten Nationen beide Seiten an ihre Verantwortung, die Lage nicht eskalieren zu lassen. Ban rief Israel und die Palästinenser auf, sich umgehend auf eine dauerhafte Feuerpause zu verständigen.

Die Hamas drohte unterdessen mit Raketenangriffen auf den Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv, "um auf die israelische Aggression zu antworten". Internationalen Fluglinien riet die Hamas, den Flughafen nicht mehr anzufliegen. Bereits Mitte Juli hatten militante Palästinenser mehrmals Raketen auf den Flughafen abgefeuert. Mehrere internationale Fluglinien, darunter auch die AUA, stellten daraufhin ihre Flüge in nach Tel Aviv vorübergehend ein. (APA/Reuters, 20.8.2014)

  • Rauch über Gaza-Stadt am Dienstag.
    foto: epa/mohammed saber

    Rauch über Gaza-Stadt am Dienstag.

  • Raketen aus dem Gazastreifen in der Nacht auf Mittwoch.
    foto: reuters/amir cohen

    Raketen aus dem Gazastreifen in der Nacht auf Mittwoch.

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