Pyramidensystem: Jugendliche zahlen kräftig

19. August 2014, 14:14
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Jugendliche via Social Media und "Home-Events" geworben - Vemma wehrt sich gegen Vorwürfe

Bregenz - Die Arbeiterkammer (AK) warnt vor dem Vertriebssystem des US-amerikanischen Energydrink-Herstellers "Vemma". Dahinter stecke ein ausgeklügeltes Pyramidensystem. Vemma werbe vor allem Jugendliche und verspreche "ihnen das Blaue vom Himmel", teilte Konsumentenschützer Paul Rusching am Dienstag mit. Das Unternehmen war für eine Stellungnahme vorerst nicht erreichbar.

In Vorarlberg fänden derzeit beinahe täglich Promotion-Partys statt. In sogenannten "Home-Events", etwa in einem Rankweiler Privatgarten, grase Vemma offensichtlich derzeit den Vorarlberger Markt ab, Aktivitäten des US-Unternehmens gebe es aber in ganz Österreich. Geworben werde massiv auf sozialen Netzwerken. Vor allem Jugendliche sollen den angeblich gesunden Energydrink "Verve!" unter die Leute bzw. Gleichaltrige bringen. Dafür müssen sie allerdings 471 Euro bezahlen, "mit ein paar einfachen Schritten, lässt sich nachrechnen, dass nur ganz wenige an der Spitze der Pyramide daran verdienen können", erklärte Rusching. Die Chance, seine Investition zurückzubekommen, sei demnach sehr gering.

Die wenigsten seien sich der steuerlichen und sozialrechtlichen Konsequenzen bewusst, wenn sie den Drink weiterverkaufen. Denn dazu bräuchten sie einen Gewerbeschein. Auch für die US-Firma ergeben sich rechtliche Probleme, denn junge Menschen seien erst ab 18 Jahren voll geschäftsfähig. Die AK Vorarlberg appellierte auch an die Eltern, aufmerksam zu sein. In einigen Fällen seien auch Minderjährige als Vertriebspartner angeworben worden. Die Arbeiterkammer werde an die Staatsanwaltschaft eine Sachverhaltsdarstellung zur strafrechtlichen Überprüfung übermitteln, informierte Rusching.

Vemma wehrt sich

Das Unternehmen selbst sieht das anders, wie es in einer Aussendung heißt: Vemma sei ein Affiliate-Marketing-Unternehmen, das qualitativ hochwertige und
innovative Produkte verkaufe. Man setze eine Reihe von Maßnahmen, die
das Modell von einem "Schneeballsystem" unterscheiden würden. Provisionen und Boni würden nur auf Produktverkäufe ausbezahlt, Vemma Affiliates würden nicht für Rekrutierungsaktivitäten vergütet.

Es gäbe keine Anmeldegebühren keine Starter-Kits oder Jahresgebühren, und keine Notwendigkei große Produktmengen vorrätig zu haben, da das Produkt direkt an den Kunden. Darüber hinaus sei der Kauf eines Affiliate-Packs keine Bedingung, um als Vemma Affiliat einzusteigen. Darüber hinaus verbiete man das Promoten der Geschäfts mit übertrieben oder falsche Einkommensdarstellungen und betone, dass der Erfolg eines jede Affiliates von den eigenen Anstrengungen, harter Arbeit und Hingabe abhänge. (APA/red, derStandard.at, 20.8.2014)

  • Es gibt ja erfreuliche Arten von Pyramiden, solche etwa, die man besuchen kann. Mit anderen wiederum kann man viel Geld verlieren.
    foto: reuters

    Es gibt ja erfreuliche Arten von Pyramiden, solche etwa, die man besuchen kann. Mit anderen wiederum kann man viel Geld verlieren.

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