Ebola: Liberia erteilt Schießbefehl an Grenze zu Sierra Leone

19. August 2014, 10:26
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Jede Person erschießen, die illegal Land betreten will - Geflohene Patienten wieder aufgetaucht - WHO: Zahl der Ebola-Toten in kurzer Zeit auf 1.229 angestiegen

Monrovia/Freetown/Lagos/Brüssel - Um die Einreise von potenziell an Ebola erkrankten Menschen zu verhindern, greift die liberianische Regierung zu drastischen Mitteln. Der stellvertretende Generalstabschef Eric Dennis hat der Armee einen partiellen Schießbefehl erteilt.

An der geschlossenen Grenze zu Sierra Leone erhielt die Armee am Montag laut einem Bericht der lokalen Zeitung "Daily Observer" die Anweisung, jede Person in Sichtweite zu erschießen, die illegal das Land betreten wolle und damit die von Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf angeordnete Sperrung der Grenzen verletze. Laut der Einwanderungsbehörde wurden zudem immer wieder Menschen beobachtet, die nachts auf selbstgebauten Kanus die Grenze zu überqueren versuchten.

Geflohene Patienten wieder aufgetaucht

Drei Tage nach der Erstürmung und Plünderung einer Isolierstation für Ebola-Kranke in Liberias Hauptstadt Monrovia sind die 17 geflohenen Patienten wieder aufgetaucht. Die Vermissten hätten sich selbst in einem Krankenhaus der Hauptstadt gemeldet, sagte Informationsminister Lewis Brown am Dienstag.

In der Nacht auf Sonntag hatte eine Menge überwiegend junger Leute im Armenviertel West Point die kürzlich in einer Schule eingerichtete Krankenstation gestürmt, geplündert und die dort untergebrachten Patienten freigelassen. Die mit Messern und Knüppeln bewaffneten Angreifer leugneten die Existenz des Erregers in Liberia und warfen Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf vor, mit Berichten über die Epidemie lediglich an internationale Hilfe kommen zu wollen.

Taskforce mit Luftfahrt- und Tourismusindustrie

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat unterdessen wegen der Ebola-Epidemie eine gemeinsame Taskforce mit der weltweiten Luftfahrt- und Tourismusindustrie gebildet. Ziel sei eine "abgestimmte internationale Antwort" und die Eindämmung der Viruserkrankung, wie die WHO am Montag in Genf mitteilte. Das erste Treffen der Arbeitsgruppe fand demnach bereits am Mittwoch vergangener Woche statt.

Die Taskforce besteht nach Angaben der WHO aus Vertretern der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO), der Welttourismusorganisation (UNWTO), dem internationalen Flughafenverband ACI, der Internationalen Luftverkehrsvereinigung (IATA) und dem Welttourismusverband (WTTC).

Zahl der Toten deutlich angestiegen

Die Zahl der Ebola-Toten in Westafrika ist nach Angaben der WHO auf 1.229 angestiegen. 2.240 Menschen hätten sich mit dem meist tödlichen Virus angesteckt.

Damit erhöhte sich die Zahl der gemeldeten Toten in kurzer Zeit deutlich. Am Montag hatte die WHO noch von rund 1.140 Menschen gesprochen, die in Liberia, Guinea, Sierra Leone und Nigeria der Krankheit erlagen.

Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, haben die am stärksten betroffenen Länder Liberia, Guinea und Sierra Leone ganze Regionen zu Sperrzonen erklärt. Die WHO arbeite mit dem UN-Welternährungsprogramm zusammen, um die rund eine Million Menschen in diesen Quarantänegebieten mit Lebensmitteln zu versorgen. Die Bereitstellung von Lebensmitteln sei ein probates Mittel, um unnötige Bewegungen innerhalb der Sperrgebiete zu vermeiden, heißt es in einer WHO-Erklärung.

Keine Flüchtlingsrücktransporte nach Nigeria

Die EU-Agentur Frontex setzte die Flüchtlingsrücktransporte per Flugzeug in das ebenfalls von Ebola betroffene Nigeria aus. Wie Frontex-Sprecherin Ewa Moncure am Sitz der Behörde in Warschau mitteilte, wurden die von der EU-Behörde mitorganisierten Rücktransporte von Flüchtlingen ohne gültige Papiere nach Nigeria bis auf weiteres unterbrochen. Einige Länder hätten ebenfalls die Entscheidung getroffen, Rücktransporte von Flüchtlingen in von Ebola betroffene Länder auszusetzen.

Unterdessen schloss Kamerun seine Grenzen für Reisende aus Nigeria. Wie Kommunikationsminister und Regierungssprecher Issa Tchiroma Bakary am Montag mitteilte, wurden alle Luft-, See- und Landgrenzen zu dem Nachbarland geschlossen.

Ebola-Verdacht in Belgien

Wegen Ebola-Verdachts hat ein Krankenhaus im belgischen Ostende einen 13 Jahre alten Jugendlichen isoliert. Der aus dem westafrikanischen Guinea stammende Bub war am Sonntag mit starkem Fieber eingeliefert worden, berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga am Montagabend. Das Krankenhaus AZ Damiaan schließe eine Ebola-Infektion nicht aus. (APA/red, derStandard.at, 19.8.2014)

  • Um die Ausbreitung von Ebola zu verhindern, hat Liberia die Grenzen zu Sierra Leone geschlossen und einen Schießbefehl an die Armee erteilt.
    foto: ap photo/abbas dulleh

    Um die Ausbreitung von Ebola zu verhindern, hat Liberia die Grenzen zu Sierra Leone geschlossen und einen Schießbefehl an die Armee erteilt.

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