Jihadisten drohen USA: Werden alle in Blut ertränken

19. August 2014, 15:19
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Armee will Husseins Geburtsstadt zurückerobern - UNO startet groß angelegte Hilfsaktion für Flüchtlinge

Bagdad/Wien/Schwechat - Kurdische Peschmerga und die irakischen Streitkräfte erhöhen den Druck auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Am Dienstag begann das Militär eine Offensive zur Vertreibung der Jihadisten aus der Stadt Tikrit. 'Während US-Präsident Barack Obama sein Land auf eine langfristige "Anti-Terror"-Mission einschwor, drohten die Jihadisten wiederum den USA.

Sollten IS-Kämpfer im Irak von US-Luftschlägen getroffen werden, würden US-Bürger überall ihrerseits das Ziel von Angriffen, erklärte die Miliz in einem am Montagabend veröffentlichten Video. In englischer Sprache hieß es in dem IS-Video: "Wir werden euch alle in Blut ertränken." Es waren darin Aufnahmen eines während der US-Besatzungszeit im Irak enthaupteten Amerikaners und Opfer von Heckenschützen zu sehen.

Bei der am Dienstag gestarteten Offensive auf Tikrit, die Geburtsstadt des früheren Diktators Saddam Hussein, rückten die Regierungstruppen von Süden her vor. Die Stadt, die 160 Kilometer nördlich von Bagdad liegt, war im Juni von sunnitischen Aufständischen unter Führung der IS eingenommen worden. Dort leben besonders viele Anhänger des gestürzten langjährigen Machthabers Saddam Hussein, die sich mit den sunnitischen Extremisten verbündet haben, um gegen die von Schiiten geführte Regierung in Bagdad zu kämpfen. Mehrere irakische Versuche, die Stadt zurückzuerobern, waren bisher gescheitert.

Laut Sicherheitskreisen wurden bei der Offensive auch Kampfhubschrauber der USA eingesetzt. Allerdings werde der Vormarsch durch Landminen, Sprengfallen und Heckenschützen immer wieder aufgehalten.

Großangelegte Hilfsaktion

Ab Mittwoch starten die Vereinten Nationen eine groß angelegte Hilfsaktion für die Flüchtlinge im Nordirak. Mit einer Luftbrücke und auch auf dem Landweg sollen Zelte, andere Güter sowie Lebensmittel nach Erbil und in die Umgebung der Stadt gebracht, sagte der Sprecher des UN-Hilfswerks UNHCR, Adrian Edwards, in Genf. Damit sollten 500.000 Menschen versorgt werden. Österreich hatte vergangene Woche eine Million Euro aus dem Auslandskatastrophenfonds für den Nordirak freigegeben. Die Mittel werden über die Vereinten Nationen verwendet.

Auch die USA arbeiten an einem internationalen Bündnis, um die humanitäre Lage im Irak zu verbessern und zum Beispiel Lebensmittel zu liefern. Zu den Partnerländern gehören Großbritannien, Kanada, Frankreich, Italien und Australien.

US-Präsident Obama stellte sich indes auf einen längeren Militäreinsatz ein. "Es wird Zeit brauchen", sagte Obama am Montag (Ortszeit) in Washington. "Es sollte keinen Zweifel daran geben, dass das Militär der Vereinigten Staaten weiterhin die begrenzten Einsätze ausführen wird, die ich gebilligt habe." Es gehe weiter darum, die Extremisten zurückzudrängen, um Amerikaner und US-Einrichtungen zu schützen.

Nach einigen westlichen Regierungschefs hat am Dienstag auch NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen dazu aufgerufen, den Vormarsch der IS zu stoppen. "Das sind Terroristen. Die werden eine Bedrohung darstellen. Und zwar nicht nur für den Irak, sondern für die ganze Welt, wenn wir deren Vormarsch nicht aufhalten", sagte Rasmussen am Dienstag dem WDR/NDR-Studio Brüssel. Ein NATO-Einsatz stehe derzeit aber nicht zur Debatte.

IS-Vorgehen verurteilt

Muslimische Organisationen verurteilten indes das Vorgehen der sunnitischen Terrororganisation IS. Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) beschuldigte die Gruppierung, die Religion zu "missbrauchen und gar nichts mit dem wahren Islam" zu tun zu haben. Im Irak würden alle Werte des Islam "zunichte gemacht", daher müssten insbesondere Muslime im Namen der Religion gegen den "Terror" aufstehen, so die TKG-Generalsekretärin Melissa Günes in einer Aussendung.

Ähnlich äußerte sich die "Initiative Liberaler Muslime Österreich" (ILMÖ) und rief gleichzeitig die Weltgemeinschaft auf, den Völkermord an Christen, Yeziden (Jesiden) und anderen Minderheiten zu stoppen.

Angesichts der schweren Kämpfe im Irak fliegt die AUA die nordirakische Stadt Erbil noch bis zum Freitag (21. August) nicht an. Dann werde die Situation neu beurteilt, hieß es auf APA-Anfrage. Die Hauptstadt Bagdad wird bis Jahresende nicht angeflogen. (APA, 19.8.2014)

  • Kurdische Peschmerga in der Nähe von Makhmur, südlich von Erbil
    foto: reuters/boudlal

    Kurdische Peschmerga in der Nähe von Makhmur, südlich von Erbil

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