Mirko Silvo Tischler: Ein glühender Europäer überwindet die Karawankengrenze

19. August 2014, 05:29
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Mirko Silvo Tischlers Biografie verbindet lange getrennte Heimaten

Klagenfurt/Ljubljana - Grenzenlosigkeit und Völkerverbindung wurden dem Rechtsanwalt Mirko Silvo Tischler geradezu in die Wiege gelegt. Stammt er doch aus einer der renommiertesten Familien aus den Reihen der Kärntner Slowenen. Und es scheint fast, als würde sich der nationalistische Irrwitz des 19. und 20. Jahrhunderts auch in seiner eigenen Familie abbilden. Die Mutter, laut Tischler eine steirische Slowenin aus der Oberkrain, flüchtete vor dem Kommunismus aus Slowenien. Der Vater erlitt wie viele andere Kärntner Slowenen das Schicksal der Aussiedelung durch die Nationalsozialisten.

Davon unzweifelhaft geprägt ist Mirko Silvo Tischler schon früh zum Grenzgänger, mehr noch zum Wanderer zwischen den lange getrennten Heimaten Kärnten und Slowenien geworden. Tischler ist vor allem als engagierter EU-Anwalt bekannt. Von seinem Vater übernahm er eine Rechtsanwaltskanzlei, die heute in Ljubljana und Klagenfurt Standorte hat. Tischler und seine Partner sind erfolgreich in Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Mazedonien, Serbien, Montenegro und im Kosovo tätig.

Aber auch die Republik Österreich, Deutschland, Liechtenstein, die Schweiz und Italien können auf seine juristische Expertise und die Sprachenvielfalt seiner Kanzlei zählen. Denn wer bei Tischler arbeiten will, muss zuerst mehrere Sprachen beherrschen.

Über sein MST&Partner EU-Law Office in Ljubljana bietet Tischler darüber hinaus aber auch unternehmerische Beratung im internationalen Bereich an. Dabei geht es unter anderem auch um Cross-Border-Projekte und Europarecht. Er ist als einziger slowenischer Rechtsanwalt in die Liste europäischer Anwälte mit Sitz in der Kanzlei Juridicom in Klagenfurt eingetragen. Dabei behilflich ist ihm seine österreichisch-slowenische Doppelstaatsbürgerschaft. Daneben hat Tischler auch die Geschäftsfelder Steuerberatung, Dolmetsch und Unternehmensgründung und Beteiligung aufgebaut.

Dem quirligen Juristen liegt das Netzwerken geradezu im Blut. Grenzen sind für ihn bloß da, um überwunden zu werden. Nicht nur politisch und wirtschaftlich, sondern auch kulturell und kulinarisch.

Dass er die jahrhundertealte Hütte am Loibl erworben hat, ist eigentlich seiner erklärten Jagdleidenschaft zu verdanken. Statt sich im Loibltal, das er bejagt, eine eigene Jagdhütte zu bauen, entschied er sich, Kindheitserinnerungen folgend, die Koca "Stari Loibl" - die alte Loiblhütte - zu erwerben und umfassend zu sanieren und auszubauen. Zu einem Ort der Begegnung, wie er sagt, an dem gemeinsam musiziert, gegessen und getanzt wird. Die Hütte hat er an das Wirteehepaar Angelika und Ales Grum aus Slowenien verpachtet. Demnächst sollen dort oben nicht nur kulinarische Grenzgänger verwöhnt werden, sondern auch grenzüberschreitende Kulturveranstaltungen stattfinden. Die Konzession für den Betrieb der Schutzhütte hat seine Dr. Johann Tischler Ges.m.b.H. inne.

"Tanz ohne Grenzen"

"Es war mir ein Bedürfnis, diesen geschichtsträchtigen Boden mit neuem Leben zu erfüllen", sagt Mirko Silvo Tischler.

Doch schon lange, bevor der Anwalt die alte Hütte erworben hat, hatte er oben an der Grenze am alten Loibl gewaltig umgerührt. Kurz vor dem EU-Beitritt Sloweniens 2003 hat Mirko Silvo Tischler gemeinsam mit dem früheren Hüttenwirt Dusan Koren und seinem Freund Herbert Jesenko den "Tanz ohne Grenzen", den ersten EU-Kirchtag am alten Loibl, ins Leben gerufen. Seitdem wird er alljährlich im August von den beiden Gemeinden Ferlach und Trcic diesseits und jenseits der kärntner-slowenischen Grenze veranstaltet.

"Der alte Loibl ist der älteste Grenzübergang Europas", sagt Tischler: "Genau hier haben wir bewusst unseren Brückenschlag der Sprachen und Kulturen gesetzt." (stein, DER STANDARD, 19.8.2014)

Nächster Teil am Dienstag, 26. August: Das Burgenland - ein Grenzfall

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