Ronald S. Johnson auf schwieriger Friedensmission in Ferguson

Kopf des Tages18. August 2014, 18:06
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Der neue Einsatzleiter der Sicherheitskräfte setzt nach den gewaltsamen Ausschreitungen im US-Bundesstaat Missouri auf Dialog und Deeskalation

Dass wieder Ruhe in Ferguson einkehrt, ist Ronald S. Johnson ein persönliches Anliegen. Schließlich ist der neue, schwarze Einsatzleiter der Sicherheitskräfte selbst in der Gegend im US-Bundesstaat Missouri aufgewachsen, die seit Tagen von gewaltsamen Protesten heimgesucht wird. Er lebt mit seiner Familie nur wenige Kilometer vom Ort des Geschehens entfernt.

Nach den tödlichen Schüssen eines weißen Polizisten auf den unbewaffneten schwarzen Jugendlichen Michael Brown kommt Ferguson nicht zur Ruhe. Der Gouverneur von Missouri, Jay Nixon, verspricht sich von dem leitenden Beamten der dem Staat unterstehenden Autobahnpolizei, Ron Johnson, ein behutsameres Vorgehen als von den örtlichen – überwiegend weißen – Sicherheitskräften, die zuvor durch ihr aggressives Auftreten die Proteste angeheizt hatten.

Seit 1987 bei der Autobahnpolizei

Immerhin hat der 51-jährige Polizist mit einem Hochschulabschluss in Strafrecht schon in der Vergangenheit Kritik an der fehlenden ethnischen Vielfalt der US-Polizei geübt. In 27 Dienstjahren hat sich der Afroamerikaner dennoch an die Spitze der Autobahnpolizei Missouris hochgearbeitet.

„Ron will Frieden, das war schon immer so“, sagte seine Mutter Annie Johnson. Mit 16, kurz nach der bestandenen Führerscheinprüfung, fuhr er in der Nacht einen Briefkasten um. Er hinterließ seinen Namen, den Namen seines Vaters, seine Adresse, seine Telefonnummer sowie eine Nachricht, in der er sich entschuldigte und versprach, wiederzukommen, um den Schaden zu reparieren.

Neue Strategie

In seinen ersten Tagen als neuer Einsatzleiter in Ferguson verfolgte der verheiratete Vater von zwei Kindern einen deeskalierenden Ansatz: Panzerwagen, Tränengas und schwere Bewaffnung sollten der Vergangenheit angehören. „Ich habe keine Angst vor dieser Menge“, sagte Johnson. Er marschierte mit den Demonstranten und stellte sich den Fragen von Bewohnern und Journalisten. Zudem besuchte er am Sonntag eine Gedenkfeier für Michael Brown und entschuldigte sich bei dessen Angehörigen: "Ich bin mit dem Herzen bei euch und sage euch, dass es mir leid tut.“

Seine Strategie schien Früchte zu tragen, bis die örtliche Polizei Brown des Ladendiebstahls bezichtigte und damit die Lage wieder anheizte. Jetzt soll die Nationalgarde für Ordnung sorgen, nachdem die Proteste in der Nacht auf Montag erneut eskaliert waren. Johnson dürften schwere Entscheidungen bevorstehen. (Noura Maan, DER STANDARD, 19.8.2014)

  • Ronald S. Johnson ist neuer Einsatzleiter in Ferguson.
    foto: ap photo/charlie riedel

    Ronald S. Johnson ist neuer Einsatzleiter in Ferguson.

  • Johnson vergangenen Donnerstag inmitten der Demonstranten.
    foto: reuters/lucas jackson

    Johnson vergangenen Donnerstag inmitten der Demonstranten.

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