Wie Gene die Auswirkungen von Stress auf das Gehirn bestimmen

23. August 2014, 18:02
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Forscher der MedUni Wien untersuchten das komplexe Wechselspiel von Depressions-Gen-Varianten und Umweltfaktoren auf das menschliche Gehirn

Wien - Es liegt an der individuellen genetischen Voraussetzung, welche Wirkung Stress auf unsere Emotionszentren hat. Das berichtet eine Forschergruppe der MedUni Wien aktuell im Fachblatt "The Journal of Neuroscience". Denn nicht jeder Mensch reagiert gleich auf belastende Lebensereignisse: Manche Menschen entwickeln sich durch Krisen weiter, andere zerbrechen daran und erkranken beispielsweise an einer Depression.

Der Ausgang solcher Lebensereignisse werde durch ein komplexes Wechselspiel von Depressions-Gen-Varianten und Umweltfaktoren bestimmt, so die Forscher der MedUni in einer Aussendung. Die Wissenschafter wiesen gemeinsam mit internationalen Kooperationspartnern nach, dass es Wechselwirkungen zwischen belastenden Lebensereignissen und bestimmten Risiko-Genvarianten gibt, die in der Folge das Volumen des Hippocampus nachhaltig verändern.

Positiver und negativer Stress

Der Hippocampus ist eine Schaltstation in der Emotionsverarbeitung und gilt als zentrale Schnittstelle in der Stressverarbeitung. Es ist bekannt, dass er sehr sensibel auf Stress ("Distress") reagiert. Bei Stress, der als Gefahr für den Organismus interpretiert wird, verliert er an Volumen, was bei depressiven Patientinnen und Patienten häufig beobachtet wird und für einen Teil ihrer klinischen Symptome verantwortlich ist. Im Gegenzug kann positiver Stress ("Eustress"), wie er in emotional anregenden sozialen Situationen auftritt, sogar zu einer Volumenszunahme des Hippocampus führen.

Wie sich belastende Lebensereignisse auf die Größe des Hippocampus auswirken, hängt laut Studienergebnis nicht ausschließlich von den Umweltfaktoren ab. Es sind die Gene, die bestimmen, ob ein und dasselbe Lebensereignis zu einer Zunahme oder Abnahme des Hippocampusvolumens führt. Je mehr Risiko-Gene ein Mensch besitzt, desto negativer die Auswirkungen eines Lebensereignisses auf die Größe des Hippocampus. Bei keinen oder nur wenigen Risiko-Genen kann sich das gleiche Lebensereignis sogar positiv auswirken.

Entscheidende Genvarianten

Für die Studie wurden bei gesunden Probanden belastende Lebensereignisse wie Todesfälle in der Familie, Scheidungen, Jobverluste, finanzielle Verluste, schwere Erkrankungen oder Unfälle quantitativ erfasst. Weiters wurde eine hochauflösende anatomische Magnetresonanztomografie und eine Genanalyse durchgeführt.

Erstautor Ulrich Rabl bestimmte das Hippocampusvolumen mittels computergestützter Verfahren und brachte es mit den Gen- und Umweltdaten analytisch in Beziehung. Das Resultat: Personen mit den drei als depressionsfördernd geltenden Genvarianten besaßen bei einer ähnlichen Anzahl an belastenden Lebensereignissen einen kleineren Hippocampus als jene mit weniger oder keiner dieser Genvarianten. Menschen mit nur einem oder gar keinem dieser Risiko-Gene verfügten hingegen bei ähnlichen Lebensereignissen über einen vergrößerten Hippocampus.

Die Studie unterstreiche die Bedeutung von Gen-Umwelt-Wechselwirkungen als bestimmenden Faktor des Hippocampus-Volumens, so Studienleiter Lukas Pezawas. "Diese Ergebnisse sind wichtig für das Verständnis neurobiologischer Vorgänge bei stress-assoziierten Erkrankungen wie der Depression oder der posttraumatischen Belastungsstörung. Es sind unsere Gene, die letztlich die Weiche stellen, ob Stress uns psychisch krank macht oder unsere psychische Gesundheit fördert." (APA/red, derStandard.at, 23.8.2014)

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