Kawasaki Z1000SX: Nimm zwei, zahl eins

18. August 2014, 18:32
36 Postings

Kawasaki überarbeitete die Touren-Version der Z1000. Nun hat sie mehr Leistung und richtig fesche Koffer. Sie ist Sportlerin und Tourenbock in einem

Im Grunde braucht man als echter Asphalt-Cowboy ja drei Motorräder. Eine Supersportlerin für den Ring, eine Nackerte fürs Wochenen-Runderl und den Weg in die Arbeit, und dann braucht man noch einen Kofferfisch für den Urlaub. Zwei, drei Tage sollte man schon zu zweit touren können, ohne Rucksack, wenn Wetter und Freizeit danach verlangen. Aber wer hat schon eine so große Garage, um gleich drei Motorräder einstellen zu können? Eben.

Mit der Z1000SX macht Kawasaki einen Spagat, der zumindest zwei der Anforderungen erfüllt, und die dritte immer noch möglich macht. Klar, Rekordzeiten wird man mit der SX auf der Rundstrecke nicht eintragen, aber einen Spaß wird man immer noch haben. Motor und Fahrwerk machen ein paar richtig flotte Runden locker mit.

Nicht untermotorisiert

Die Gabel ist vollverstellbar und am hinteren Dämpfer richtet man die 1000er ganz einfach mit dem Stellrad ein. Mit 142 PS und 111 Newtonmeter ist man auch nicht untermotorisiert. Damit hat die neue SX gegenüber der Vorgängerin um ein paar PS zugelegt. Nicht, dass man es merken würde, oder dass vorher was gefehlt hätte, aber am Papier machen sich über 140 PS immer noch besser als knapp weniger als 140 PS.

Warum wir hier auf der Supersport-Idee herumreiten hat einen einfachen Grund. Nach den ersten Metern auf diesem Motorrad ist klar, dass Kawasaki mit der SX ehemalige Supersport-Besitzer im Fokus hat. Menschen, die wissen wie man ein Motorrad flott bewegt, aber nicht mehr vorwiegend auf der Rennstrecke unterwegs sein wollen, sondern auch einmal einen Blick in die Gegend statt auf Bremspunkte werfen wollen.

Knackig und komfortabel

Da hat die SX ihre Nische gefunden. Sie ist knackig und komfortabel, sie ist sportlich aber nicht gnadenlos. Sie ist in vielen Situationen sogar die bessere Z1000. Zum einen weil sie viel einfacher zu fahren ist, zum anderen weil sie mit der Verkleidung Fahrtwind und Wetter abhält, und weil die Sitzposition deutlich angenehmer ist. Die als Tourensportler positionierte Maschine erfüllt alle Anforderungen für längere Touren und kurze Hatzerl.

Die Überarbeitungen, die Kawasaki der Z1000SX angedeihen hat lassen, sind nicht alle sofort augenfällig. Nur, dass die Koffer nun zum Motorrad passen, das sieht man gleich. Die Arbeit am Motor aber nicht. Zudem hat Kawasaki den sechsten Gang verlängert, was auf Touren den Verbrauch senkt, beim sportlichen Fahren aber keinen Nachteil bietet, weil man dabei eh in höheren Drehzahlen als in den hohen Gängen herumorgelt.

Schlank und fesch

Die Koffer sind jetzt aber nicht nur fescher geworden, sondern auch schlanker. Das hat aber auch den Nachteil, dass sie nur mehr 28 Liter fassen – auch wenn das für die meisten Integralhelme reicht. Mit den an sich praktischen Innentaschen verkleinert sich das Volumen der Koffer um einen weiteren Liter.

Was Kawasaki versäumt hat, das ist eine Ganganzeige ins Display zu pflanzen. Dafür hätte man stattdessen die Eco-Anzeige weglassen können. Denn die sagt ja einem ehemaligen Rennstrecken-Fahrer nicht dass er effizient unterwegs ist, sondern dass er alt wird und schleicht.

Dreistufige Traktionskontrolle

Und das Schleichen geht gut, mit der SX. Schaltfaule werden von diesem Motorrad begeistert sein. Sie kommt satt aus dem Drehzahlkeller und legt bis in den Begrenzer immer weiter zu. Mit den beiden Drosselklappen pro Zylinder hat sie ein feines Ansprechverhalten, und mit den beiden Fahrmodi kann man noch einmal entscheiden, ob es sanft oder wild losgehen soll. Im Powermodus liegen alle 142 PS an, im Regenmodus drosselt die Kawa die Leistung um rund ein Viertel und spricht dann noch sanfter an.

Mit dem KTRC ist auch eine dreistufige Traktionskontrolle mit an Bord, die man aber auch ganz ausschalten kann. In nur fünf Millisekunden reagiert das System auf die aktuelle Fahrsituation. Zusammen mit dem optionalen ABS spielt sie also auch in puncto Sicherheit alle Stückerl. Bleibt nur noch die Frage nach dem Preis: Ab 15.199 Euro nimmt man die Z1000SX mit.

Will man auch noch ABS, legt man noch einmal 600 Euro drauf, mit den Koffern für die Touren weitere 870 Euro. Aber unterm Strich ist das noch immer billiger als eine Naked und eine Tourenmaschine. Noch dazu, wenn man die halberte Supersport mitrechnet, die ja auch im Paket inkludiert ist. (Guido Gluschitsch, derStandard.at, 18.8.2014)


Kawasaki Z100SX

Motor: 4-Zylinder-4-Takt-Motor, 16 Ventile
Hubraum: 1043 ccm
Leistung: 104,5 kW (142 PS) bei 10.000 U/min
Drehmoment: 111 Nm bei 7.300 U/min
Kraftübertragung: 6-Gang-Getriebe und Kette
Radaufhängung vorne: 41-mm-USD-Gabel
Radaufhängung hinten: Back-Link-Zentralfederbeine
Bremse vorne: Doppelscheibenbremse, Ø 300 mm, 4 Kolben
Bremse hinten: Scheibenbremse, Ø 250 mm, 1 Kolben
Reifen vorne: 120/70 ZR17M/C
Reifen hinten: 190/50 ZR17M/C
Gewicht fahrfertig: 231 kg
Sitzhöhe: 820 mm
Preis: ab 15.199 Euro

Link

Kawasaki

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

  • Die Kawasaki Z1000SX: Nimmt mit 142 PS den Sport sehr ernst.
    foto: guido gluschitsch

    Die Kawasaki Z1000SX: Nimmt mit 142 PS den Sport sehr ernst.

  • Keine Ganganzeige am Display. Stattdessen gibt's eine Öko-Information.
    foto: guido gluschitsch

    Keine Ganganzeige am Display. Stattdessen gibt's eine Öko-Information.

  • Praktisch will sie auch sein: Die Z1000NX trägt Koffer, und das äußerst zügig.
    foto: guido gluschitsch

    Praktisch will sie auch sein: Die Z1000NX trägt Koffer, und das äußerst zügig.

Share if you care.