Androsch kritisiert falsche Prioritäten der Regierung

18. August 2014, 07:53
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Kanzler und Vizekanzler müssten Schwerpunkt auf Forschung setzen, anstatt bemühte Minister "im Trockenen sitzen zu lassen"

Wien - Scharfe Kritik an der Regierung, und zwar ausdrücklich fokussiert auf Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler bzw. Finanzminister Michael Spindelegger (ÖVP), äußerte der Vorsitzende des Forschungsrates, Hannes Androsch, im Ö1-"Morgenjournal" am Montag. Vor den Technologiegesprächen in Alpbach erneuerte der ehemalige SPÖ-Vizekanzler und Finanzminister die dringende Forderung nach 400 Millionen Euro zusätzlich für die Forschung in Österreich. Er wolle damit die ressortzuständigen Minister unterstützen "gegen jene, die die Budgetsituation zu verantworten haben", sagte Androsch.

Bundeskanzler Faymann und Vizekanzler Spindelegger müssten "kraft ihrer Funktion und als Parteichefs andere Ausgabenprioritäten setzen und nicht die Minister, die sich bemühen, im Trockenen sitzen lassen, siehe die Universitäten", kritisierte der frühere SPÖ-Politiker. Gleichzeitig stellte er den beiden mit Forschungsagenden betrauten Ministern Doris Bures (Verkehr, Innovation und Technologie) und Reinhold Mitterlehner (Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft) ein gutes Zeugnis aus und lobte deren engagiertes Bemühen. Ohne ausreichende budgetäre Unterstützung seien die beiden aber nur bedingt handlungsfähig.

Auf die prekäre finanzielle Lage der Universitäten hatte zuletzt auch der Vizevorsitzende der Universitätenkonferenz und Rektor der Uni für angewandte Kunst, Gerald Bast, im STANDARD hingewiesen und nachhaltige Investitionen in die "geistige Infrastruktur des Landes" gefordert.

Österreich hinke jedenfalls international hinterher, sagt Forschungsratschef Androsch. Länder wie Deutschland, die USA, die Schweiz, Japan oder Schweden wären wesentlich aktiver im Forschungsbereich. Um dafür Geld zu lukrieren, würde der Sozialdemokrat bei Agrar- und Familienförderungen kürzen. Von neuen Steuern hält er dagegen nichts. Auch nichts von einer von seiner Partei geforderten "Millionärssteuer": "Das ist eine Ablenkung. Die würde schon nach der Mengenlehre nicht die Mengen bringen. Das löst das Problem sicher nicht." (red, derStandard.at, 18.8.2014)

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