Bundesstaat Missouri setzt Nationalgarde in Ferguson ein

18. August 2014, 08:56
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Nach schweren Ausschreitungen vor der Ausgangssperre

Ferguson - Der US-Bundesstaat Missouri setzt die Nationalgarde in Ferguson ein, nachdem die Proteste in der Nacht auf Montag wieder eskalierten. Das berichtet die BBC. Gouverneur Jay Nixon unterzeichnete eine Anweisung, um "den Frieden und die Ordnung wiederherzustellen und die Bürger von Ferguson zu beschützen".

Wenige Stunden vor dem Inkrafttreten einer neuen Ausgangssperre ist es in der Stadt erneut zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Die mit gepanzerten Fahrzeugen angerückten Sicherheitskräfte trieben die Menschenmenge am Sonntagabend (Ortszeit) mit Tränengas auseinander.

Dabei wurden einige der Gaskartuschen umgehend auf die Polizei zurückgeschleudert. Örtliche Medien zeigten Bilder von Krawallmachern, die ein Schnellrestaurant demolierten.

Ausgangssperre um zweite Nacht verlängert

Laut dem Sender KMOV-TV griffen die Sicherheitskräfte erst ein, nachdem sie mit Molotowcocktails beworfen worden waren. Auch von Schüssen aus der Menge heraus wurde berichtet. Einige der größtenteils jungen Demonstranten hielten währenddessen Protestschilder gegen Polizeigewalt in die Höhe.

Die Ordnungskräfte des US-Staats Missouri hatten zuvor angekündigt, die zweite Nacht in Folge eine Ausgangssperre zu verhängen. Zu den Ausschreitungen kam es kurz vor dem Inkrafttreten der erneuten Ausgangssperre, die von Mitternacht bis zum frühen Montagmorgen gelten sollte.

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Livematerial aus Ferguson von "Vice News"

Ausschreitungen seit 9. August

Ferguson ist seit der Tötung des schwarzen Jugendlichen Michael Brown durch einen weißen Polizisten am 9. August Schauplatz von Unruhen und Protesten, da dem Schützen rassistische Motive unterstellt werden.

Die erste Ausgangssperre in Ferguson in der Nacht auf Sonntag war von Hunderten Demonstranten missachtet worden. Es gab sieben Festnahmen, eine Frau wurde durch Schüsse lebensgefährlich verletzt.

Bei einer Gedenkzeremonie für Brown am Sonntag versuchte der Einsatzleiter der Sicherheitskräfte, Ron Johnson, die Gemüter mit einer Entschuldigung zu beruhigen. An die Angehörigen des Opfers gewandt sagte er: "Ich bin mit dem Herzen bei euch und sage euch, dass es mir leidtut." Johnsons Worte wurden von den mehr als 1.300 Zuhörern mit lautem Applaus quittiert. Er versprach, so lange zu bleiben wie nötig, damit wieder Ruhe in Ferguson einkehre.

Johnson ist selbst schwarz und leitet inzwischen den Einsatz der Sicherheitskräfte in der mehrheitlich von Afroamerikanern bewohnten Ortschaft, nachdem die zuvor eingesetzten einheimischen Ordnungskräfte wegen ihres aggressiven Vorgehens abgezogen worden waren. Das militärisch hochgerüstete Auftreten hatte weite Teile der Bevölkerung gegen die örtlichen Polizisten eingenommen, die Demonstranten mit Sturmgewehren und Panzerfahrzeugen eingeschüchtert hatten.

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Bericht aus Ferguson von der Nachrichtenagentur AP.

Dritte Autopsie angekündigt

Laut einer privaten Autopsie wurde Brown mindestens sechsmal angeschossen. Das berichtet die "New York Times". Die Zeitung zitiert Michael Baden, ehemals oberster Gerichtsmediziner der Stadt New York. Der Teenager soll zweimal in den Kopf geschossen worden sein, und zwar aus größerer Distanz.

Das US-Justizministerium kündigte aufgrund der "außergewöhnlichen Umstände" des Falls Michael Brown an, dass nach den Behörden von Missouri nun auch zusätzlich Experten auf Bundesebene eine Autopsie der Leiche vornehmen würden. Es wäre die dritte Untersuchung dieser Art, da Browns Eltern ebenfalls eine eigene forensische Analyse bei dem prominenten Pathologen Michael Baden in Auftrag gaben.

Die Fall rund um die Tötung von Michael Brown hat die landesweite Kontroverse um Rassismus und laxe Waffengesetze in den USA aufs Neue angefacht. Das Schicksal des Teenagers weckt Erinnerungen an den 17-jährigen Schwarzen Trayvon Martin, der im Februar 2012 in der Stadt Sanford in Florida erschossen worden war. Der Schütze George Zimmerman gab damals an, in Notwehr gehandelt zu haben, nachdem der unbewaffnete Teenager ihn geschlagen habe. Der Prozess gegen Zimmerman endete mit einem Freispruch. (Reuters/APA, 18.8.2014)

  • Die Polizei geht mit Tränengas gegen die Protestierenden vor.
    foto: epa/ed zurga

    Die Polizei geht mit Tränengas gegen die Protestierenden vor.

  • Demonstranten versuchen vor dem Tränengas der Polizei zu flüchten.
    foto: ap photo/charlie riedel

    Demonstranten versuchen vor dem Tränengas der Polizei zu flüchten.

  • Demonstranten heben ihre Hände bei Protesten - die Geste, die Michael Brown gezeigt haben soll, bevor er erschossen wurde.
    foto: ap photo/charlie riedel

    Demonstranten heben ihre Hände bei Protesten - die Geste, die Michael Brown gezeigt haben soll, bevor er erschossen wurde.

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