Grab von Ukraines umstrittenem Politiker Bandera beschädigt

17. August 2014, 22:23
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Kreuz umgeworfen - Polizei ermittelt

München/Kiew - Das Grab des umstrittenen ukrainischen Politikers Stepan Bandera (1909-1959) ist von Unbekannten beschädigt worden. Wie eine Sprecherin der Münchner Polizei am Sonntag bestätigte, wurde vermutlich in der Nacht zum Sonntag ein fast zwei Meter hohes Kreuz vom Sockel des Grabmals auf dem Münchner Waldfriedhof umgeworfen. Wie das geschah, sei noch unklar, die Ermittlungen dauerten an.

Sie widersprach ukrainischen Berichten, wonach das Grab gesprengt wurde. Ein Foto von dem beschädigten Grab hatte zuvor der ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin über den Kurzbotschaftendienst Twitter verbreitet. Auch er widersprach Meldungen von einer Sprengung.

Vorwurf der NS-Kollaboration

Bandera kämpfte im Zweiten Weltkrieg als Anführer ukrainischer Nationalisten gegen die sowjetische Herrschaft, Historiker werfen ihm dabei die Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten vor. Seine Verbände sollen auch an einem Massaker an Juden und Kommunisten 1941 im westukrainischen Lemberg (Lwiw) beteiligt gewesen sein.

Allerdings saß Bandera später auch mehrere Jahre im Konzentrationslager Sachsenhausen, nachdem er sich gegen die Nazis gewendet und einen unabhängigen ukrainischen Staat ausgerufen hatte. Bandera wurde 1959 in München von Agenten des sowjetischen Geheimdienstes KGB aufgespürt und ermordet. In seiner Heimat wird er teils als Nationalheld verehrt, teils als Kollaborateur und Verräter verachtet. (APA/Reuters, 17.8.2014)

  • Das beschädigte Grab Stephan Banderas am Sonntag.
    foto: epa/sven hoppe

    Das beschädigte Grab Stephan Banderas am Sonntag.

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