Ferguson: Gefährliche Militarisierung

Kommentar17. August 2014, 18:20
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Proteste nach Polizeigewalt in den USA

Es bleibt unklar, wie Michael Brown ums Leben kam. Ob ein Polizist im Streifenwagen den Teenager schikanierte oder ob der Beamte schoss, nachdem ihn der 18-Jährige angegriffen hatte - die Ermittler des FBI werden irgendwann Antworten geben. Brown war kein Unschuldslamm, er stahl am selben Tag Zigarillos und bedrohte den Verkäufer, als dieser einschreiten wollte. Die Skizze des sanften Riesen, die am Anfang schnell gezeichnet wurde, sie ist sicher nur eine Karikatur.

Nur: Der patrouillierende Beamte wusste gar nichts von dem Ladendiebstahl, als er Brown stoppte. Der Tod des Buben war nur der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Im Vorortgürtel um St. Louis entladen sich Spannungen, die sich über Jahre angestaut hatten. Die Hauptschuld trägt eine vornehmlich weiße Polizeitruppe, deren Anblick im mehrheitlich schwarzen Ferguson an die Südstaaten in Zeiten der Rassentrennung denken ließ.

Wie bis an die Zähne bewaffnete Einsatzkommandos dann auf die Proteste reagierten, das hat den Eindruck nur noch verstärkt. Panzerwagen, Tränengas, Gummigeschoße: Um überzähliges Kriegsgerät aus den Feldzügen in Afghanistan und Irak nicht verschrotten zu müssen, hat das Verteidigungsressort Waffen und Ausrüstung im Wert von 4,3 Milliarden Dollar an Amerikas Polizeikräfte verhökert. Eine fatale Fehlentwicklung. Wer einen solchen Hammer besitzt, für den scheint jedes Problem nur ein Nagel zu sein. (Frank Herrmann, DER STANDARD, 18.8.2014)

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