Karstadt-Übernahme: Die letzte Chance

Kommentar17. August 2014, 18:31
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Bei der Sanierung ist Skepsis angebracht

Als Nicolas Berggruen 2010 die insolvente deutsche Karstadt-Kette für einen Euro übernahm, wurde er als Retter der traditionsreichen Warenhausgesellschaft gefeiert. Vier Jahre später befindet sich der Konzern in einem fürchterlichen Zustand. Neo-Besitzer René Benko will von Anfang nicht als Retter gelten, wie er betont - für den erfolgsverwöhnten österreichischen Immobilienentwickler ungewohnt vorsichtige Töne. Benko will vor allem seine eigenen Interessen wahren: Ihm gehören viele Karstadt-Immobilien, und im Falle einer erneuten Pleite gerutscht wären Mietausfälle die Folge gewesen.

Skepsis bei der Sanierung ist daher angebracht. Der neue Karstadt-Eigner verfügt wie sein gescheiterter Vorgänger über keine Branchenerfahrung. Benko kann zwar Erfolge aufweisen, wie Immobilien - besonders in Luxuslagen - entwickelt werden können. Es wird viel Geld benötigen, aus den nicht gerade zeitgemäßen Karstadt-Kaufhäusern attraktive Kundenmagnete zu machen. Um das Ruder bei dem Kaufhauskoloss mit knapp 17.000 Mitarbeitern herumzureißen, braucht Benko innovative Ideen - und kein aus dem Ärmel geschütteltes Sanierungskonzept.

Schon jetzt ist absehbar, dass es harte Einschnitte, Standortschließungen und Entlassungen geben und dass Benko Gegenwind von Gewerkschaften und Politik entgegenblasen wird. Eine Überlebensgarantie für Karstadt gibt es nicht - aber vermutlich auch keine weitere Chance. (Karin Tzschentke, DER STANDARD, 18.8.2014)

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