Rapid und Altach, Wahnsinn und Weihnachten

17. August 2014, 18:03
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Bei Hütteldorfern herrscht nach dem 0:1 gegen Altach und vor der Europa League gegen HJK Helsinki Ratlosigkeit

Wien - Tritt nach einem Spiel der Sportdirektor auf, ist das zumindest irgendein Zeichen. Zum Beispiel ein alarmierendes. Andreas Müller, der dieses Amt bei Rapid ausübt, sagte nach dem 0:1 gegen Aufsteiger Altach, der Start in die Meisterschaft sei nun sozusagen hochoffiziell missglückt. "Krise wäre zu viel, aber wir sind überhaupt nicht zufrieden." Fünf Spiele, fünf Zähler, das Torverhältnis ist jenseitig, es lautet 4:9. In der Saison 1992/93 ist Rapid ähnlich schlecht gewesen. Müller hatte insgeheim mit zwölf Punkten spekuliert. "Die sieben, die uns fehlen, sind weg, kommen nie wieder zurück. Man soll kritisch mit der Mannschaft umgehen. Wir müssen schleunigst überlegen, wie wir uns aus dieser Situation befreien können. Irgendwann muss der Bock umgestoßen werden."

Altach hat am Samstagnachmittag im Happel-Stadion die Schwächen der Hütteldorfer schamlos aufgezeigt. Eine geordnete Defensive, taktische Disziplin und ein einziger Konter reichten vollauf. Auf Fantasie, Kreativität oder gar Genialität konnte, sofern überhaupt vorhanden, verzichtet werden. Es wurde lediglich der stinknormale Matchplan (hinten die Null) umgesetzt. Zuletzt hatte der Aufsteiger zweimal verloren (WAC, Admira), er musste laut Trainer Damir Canadi "Lehrgeld" zahlen: "In den Statistiken waren wir vorn. Aber ich gewinne lieber Spiele als Statistiken." Der Wiener Canadi bezeichnete den Erfolg "als Wahnsinn für ganz Vorarlberg". Die Niederlage war demnach ein Wahnsinn für halb Wien.

Rapids Trainer Zoran Barisic führte bisher an, man habe zwar nicht gewonnen, aber fußballerisch doch überzeugt. Die Truppe sei talentiert, benötige Zeit. Es stimmte bis zu einem gewissen Grad. Nach dem Altach-Match musste er sich etwas Neues einfallen lassen. "Uns fehlte die Durchschlagskraft, der Mumm, die Überzeugung, das Aufbäumen, die Körpersprache war schlecht." Das hatte zuvor der Deutsche Müller genauso gesagt. Barisic wird nicht die Peitsche auspacken. "Das wäre der total falsche Ansatz." Was er vermutlich auch nicht tun wird: Lukas Grozurek ein zweites Mal als Mittelstürmer nominieren. Das kann der nicht, das hat er nie gelernt.

Breit und schmal

Kapitän Steffen Hofmann musste aufgrund einer leichten Gehirnerschütterung die zweite Halbzeit auslassen. Womit der letzte Rest der Ordnung weg war. Barisic: "Der Ausfall tat weh, weil er die nötige Ruhe hat." Canadi nannte als Erfolgsfaktor den "für einen Aufsteiger breit aufgestellten Kader". Jener von Rapid ist schmal.

Georg Zellhofer ist der Müller in Altach. Er wurde einst Trainer von Rapid, um dort zu scheitern. Jahre später dachte er laut nach. "Es ist schade, dass der Rekordmeister nur mehr die Rolle eines Ausbildungsvereins hat und die Talente kaum halten kann. Das ist zu wenig. Die Überlegenheit Salzburgs stört mich da weniger."

Müller nimmt die Abgänge von Guido Burgstaller, Terrence Boyd, Christopher Trimmel und Marcel Sabitzer tapfer hin. "Weil sie nicht zu verhindern waren. Es liegt an den andern, sie zu ersetzen." Der Umzug ins zu große Happel-Stadion dürfe nicht als Ausrede gelten. "Das Fußballfeld ist gleichgroß und grün. Die Fans bemühen sich, Stimmung zu machen."

Richtungsweisendes steht an: Am Donnerstag das Hinspiel des Playoffs zur Europa Legaue in Helsinki, am Sonntag das Derby bei der Austria, am 28. August das zweite Treffen mit den Finnen. Müller: "Geht das schief, muss man von Krise reden. Aber im Fußball kann es schnell in die andere Richtung umschlagen."

Altach hat es insofern leichter, als am Samstag der Besuch in Salzburg sein muss. Canadi: "Holen wir einen Punkt, wäre das für ganz Vorarlberg Weihnachten." (Christian Hackl, DER STANDARD, 18.8.2014)

  • Trainer Zoran Barisic packt nicht die Peitsche aus. Foto: APA/Punz
    foto: apa/punz

    Trainer Zoran Barisic packt nicht die Peitsche aus. Foto: APA/Punz

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