Pakistans Opposition probt den Machtkampf

17. August 2014, 16:38
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Zehntausende belagern die Regierung und fordern den Rücktritt von Premier Sharif

Islamabad/Neu-Delhi - Die Straßen zum Regierungsviertel sind verbarrikadiert, die Schulferien wurden vorsorglich um eine Woche verlängert, das Handynetz zeitweise blockiert. Seit Freitag belagern zehntausende Demonstranten Pakistans Hauptstadt Islamabad. Sie fordern den Rücktritt des seit 15 Monaten amtierenden Premiers Nawaz Sharif. Angeführt werden die Proteste von dem Politiker Imran Khan, einem Ex-Kricketstar, und dem Prediger Muhammad Tahir-ul Qadri.

Die beiden Männer haben geschworen, nicht eher zu weichen, bis Sharif nachgibt. Damit steht der südasiatische Atomstaat erneut vor einer Machtprobe. Die Proteste gelten als bisher größte Herausforderung für Sharif. Er berief ein Krisentreffen mit den Spitzen seiner Partei PML-N ein.

Offene Drohung

Offen drohte Khan, falls Sharif nicht abtrete, werde ein "Tsunami" die Absperrungen vor dem Parlament und der Premiers-Residenz hinwegfegen. Und er brachte sich selbst für das Spitzenamt ins Gespräch. "Ein Premierminister Imran Khan wird euch niemals belügen", rief er seinen Fans zu.

Qadri stellte Sharif ein Ultimatum. "Wir geben der Regierung 48 Stunden, zurückzutreten und das Parlament aufzulösen. Andernfalls wird das Volk entscheiden - und ich werde nicht verantwortlich sein." Der Prediger hatte 2012 schon mit ähnlichen Drohungen gegen die damalige PPP-Regierung protestiert, ohne viel Erfolg.

Viele Analysten glauben, dass auch Khan seine Karten überreizt hat. Dieser werde "klein beigeben", meinte der bekannte Journalist Muhammad Ziauddin. Die beiden selbsternannten Revolutionsführer werfen Sharif Korruption und Versagen vor. Khan bezichtigt ihn, bei den Wahlen 2013 so massiv betrogen zu haben, dass das Ergebnis verfälscht wurde. Westliche Diplomaten halten diesen Vorwurf nicht für stichhaltig.

Khan und Qadri werden gute Drähte zum mächtigem Militär nachgesagt, das mit Sharif über Kreuz liegt. Analysten halten einen Putsch aber für unwahrscheinlich. Vielmehr dürften die Generäle die Proteste nutzen, die Regierung zu schwächen und ihr klarzumachen, wer am Ende das Sagen hat. Sharif verärgerte die Armee auch dadurch, dass er Ex-Militärherrscher Pervez Musharraf wegen Hochverrats anklagte. (Christine Möllhoff, DER STANDARD, 18.8.2014)

  • Regierungsgegner und Unterstützer von Ex-Kricketstar Imran Khan bei einer Demonstration in Islamabad.
    foto: ap/b.k. bangash

    Regierungsgegner und Unterstützer von Ex-Kricketstar Imran Khan bei einer Demonstration in Islamabad.

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