Entwarnung: Kein Ebola-Fall in Tirol

18. August 2014, 14:10
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Frau in Österreich starb an viraler Infektion - Bis zu 30 Patienten sollen Quarantänestation in Liberia verlassen haben

Nairobi/Freetown/Conakry/Wien - Nach dem Tod einer britischen Staatsangehörigen in Tirol ist das Ebola-Virus als Ursache mittlerweile ausgeschlossen worden. Dies hätten Untersuchungen des Tropeninstituts in Hamburg ergeben, teilte das Land Tirol am Montagnachmittag mit.

Der Sprengelarzt, der die Totenbeschau durchgeführt hatte, habe eine virale Infektion als Todesursache in Betracht gezogen. Unter anderem seien am Samstag eine Blut- und eine Harnprobe entnommen und an das Tropeninstitut in Hamburg geschickt worden. Die Proben wurden dort auf Ebola getestet. Die 48-Jährige war erst vor kurzem über Deutschland aus Nigeria nach Tirol zurückgekehrt.

Der Ebola-Verdacht bei einem Nigerianer in Spanien hatte sich zuvor ebenso nicht bestätigt. Wie das spanische Gesundheitsministerium am Sonntag mitteilte, ergaben Laboranalysen, dass der Mann nicht mit dem gefährlichen Virus infiziert ist. Der Mann hatte am Samstag wegen Fiebers eine Klinik in Alicante aufgesucht.

Patienten fliehen aus Krankenhaus

Nach der Flucht von mindestens 17 Ebola-Patienten in Liberia herrscht in Teilen der Hauptstadt Monrovia Chaos. Die örtliche Zeitung "Front Page Africa" berichtete am Montag sogar von bis zu 30 Kranken, die die Quarantänestation im dicht besiedelten Slum West Point verlassen haben.

"Während ich spreche, ist die Polizeistation menschenleer. In West Point gibt es im Moment keine Sicherheit", wird Bewohner Moses Teah von dem Blatt zitiert. Ebola-Kranke seien zur weiteren Versorgung von Bewohnern der Armensiedlung mit nach Hause genommen worden.

Im Slum West Point leben rund 75.000 Menschen. Nun wird befürchtet, dass die geflohenen Patienten weitere Menschen anstecken könnten.

Das Gesundheitsministerium hatte zuvor mitgeteilt, den ganzen Slum unter Quarantäne stellen zu wollen, um zu verhindern, dass die Einwohner von dort in andere Gebiete reisen. "Wir werden Lebensmittel und andere Güter nach West Point bringen, bevor die Maßnahme in Kraft tritt", hieß es. Viele Bürger hätten wütend auf die Ankündigung reagiert.

Ebola-Testserum erstmals eingesetzt

Liberia hat im Kampf gegen die Ebola-Epidemie erstmals ein noch kaum erprobtes Medikament eingesetzt. Zwei einheimische Ärzte und ein Arzt aus Nigeria erhielten seit ein paar Tagen das Testserum der US-Biotechfirma Mapp, teilten Mediziner in der Hauptstadt Monrovia am Wochenende mit.

Die Ärzte sind die ersten Afrikaner, die das Mittel bekommen, von dem nur rund ein Dutzend Dosen existieren. Zuvor wurden bereits zwei US-Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und ein spanischer Priester mit dem Serum behandelt. Die Helfer hatten sich ebenfalls in liberianischen Krankenhäusern mit der meist tödlich verlaufenden Krankheit angesteckt. Der Zustand der beiden Amerikaner hat sich seitdem verbessert, der 75-jährige Spanier starb dagegen.

Medizinisches Personal flieht

In Nigeria flüchten unterdessen immer mehr Ärzte und Pfleger aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Ebola-Virus aus den Krankenhäusern. Betroffen sei vor allem das Yaba Mainland Hospital in Lagos, wo mehrere Infizierte auf Isolierstationen lägen, berichtete die Zeitung "Punch" am Samstag. Viele Mediziner hätten auf Druck ihrer Familien die Klinik verlassen.

Im bevölkerungsreichsten Land Afrikas wurden bisher elf Ebola-Fälle bestätigt. Erst am Freitag war bekannt geworden, dass eine weitere Infizierte an den Folgen der Krankheit gestorben ist. Die Tote war eine junge Krankenschwester. Sie hatte Kontakt mit einem Berater der liberianischen Regierung, der im Juli in die Millionenmetropole Lagos gereist und dort am Flughafen zusammengebrochen war. Damit gibt es in Nigeria bereits vier Ebola-Opfer. Insgesamt sind bisher mehr als 1.100 Ebola-Tote registriert worden.

Kenia verhängt Einreiseverbot

Kenias Gesundheitsministerium hat ein Einreiseverbot ausgesprochen für Menschen aus den von der Ebola-Epidemie betroffenen westafrikanischen Ländern. Die Regelung solle ab Dienstag (19. August) gelten, teilte das Ministerium am Samstag mit. Dabei geht es vor allem um Fluggäste aus den Ländern Sierra Leone, Liberia und Guinea, die ins ostafrikanische Kenia einreisen wollten.

Die Fluggesellschaft Kenya Airways kündigte an, ihre Flüge nach Liberia und Sierra Leone ebenfalls ab Dienstag auszusetzen. Bisher sind die Länder Sierra Leone, Liberia, Nigeria und Guinea von der Seuche betroffen.

Erst vor wenigen Tagen hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO erklärt, dass in Kenia ihrer Auffassung nach ein erhöhtes Risiko für das Übergreifen der Ebola-Epidemie aus Westafrika bestehe. Der Flughafen der Hauptstadt Nairobi gilt als wichtiges Drehkreuz im afrikanischen Luftverkehr. (APA, 17.8.2014)

  • 17 mit dem Ebola-Virus infizierte Patienten flohen aus einem Krankenhaus in Monrovia, der Hauptstadt Liberias.
    foto: ap photo/abbas dulleh

    17 mit dem Ebola-Virus infizierte Patienten flohen aus einem Krankenhaus in Monrovia, der Hauptstadt Liberias.

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