Wieder US-Luftangriffe auf IS-Jihadisten im Irak

17. August 2014, 07:52
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Einsatz mit Jets und Drohnen - Heftige Kämpfe um Staudamm bei Mossul

Washington/Bagdad - Die USA sind erneut Luftangriffe auf Islamisten im Nordirak geflogen. Die neun Angriffe richteten sich einmal mehr gegen Kämpfer der Gruppe Islamischer Staat (IS) nahe der Hauptstadt des kurdischen Autonomiegebiets, Erbil, und des größten Staudamms des Landes in der Nähe der Stadt Mossul, teilte das US-Militär mit.

Mehr als zehn gepanzerte Truppentransporter, Schützenpanzer und Geländewagen seien zerstört oder beschädigt worden. Kampfjets und Kampfdrohnen seien an den Angriffen beteiligt gewesen.

Kontrolle über Wasser- und Stromversorgung

Mit Unterstützung der US-Luftwaffe hatten zuvor die kurdischen Peshmerga-Milizen im Irak eine Bodenoffensive eingeläutet, um den größten Staudamm des Landes von der IS zurückzuerobern. Der östliche Teil des Staudamms am Tigris-Fluss sei am Samstag bereits eingenommen worden, sagte der kurdische Generalleutnant Abdelrahman Korini. Die Jihadisten hatten den Staudamm am 7. August erobert und damit die Kontrolle über die Wasser- und Stromversorgung weiter Landesteile erlangt.

Die USA haben davor erneut Luftangriffe auf Jihadisten im Irak geflogen. Rund um Mossul seien mindestens 20 IS-Kämpfer getötet worden, berichteten kurdische Peschmerga-Soldaten am Samstag. Die Luftangriffe hätten sich auf Ziele nahe dem Mossul-Staudamm nördlich der Stadt konzentriert.

Eine Kampfdrohne habe in der Nacht auf Samstag zudem zwei Fahrzeuge der IS zerstört, teilte das US-Militär mit. Der Einsatz habe sich in der Nähe einer Ortschaft im Norden des Landes ereignet, in der die radikalen IS-Kämpfer laut kurdischen Angaben Zivilisten getötet haben.

Massaker an Jesiden

Zuvor hatten Vertreter der halbautonomen Kurdenregion berichtet, dass die Islamisten in einem Dorf etwa 80 Jesiden umgebracht hätten. Die Angehörigen der religiösen Minderheit hätten sich geweigert zum Islam überzutreten. Laut Augenzeugen sollen die Männer erschossen und die Frauen und Kinder verschleppt worden sein.

Es war zunächst unklar, ob der US-Luftangriff in Zusammenhang mit dem Massaker stand. US-Präsident Barack Obama hatte vor einer Woche Luftschläge autorisiert, um den Vormarsch der Islamisten zu stoppen und einen Völkermord an den Jesiden zu verhindern. Die sunnitischen Islamisten bezeichnen die Jesiden als Teufelsanbeter und bedrohen sie mit dem Tod.

EU-Außenministertreffen in Brüssel

Die Außenminister der EU hatten am Freitagabend beschlossen, Waffenlieferungen an Iraks Kurden zu erlauben. Zudem soll die Finanzierung der Extremisten eingeschränkt werden. Dazu erhofft man sich auch eine bessere Zusammenarbeit in der Region. Etwa soll verhindert werden, dass die IS von Ölverkauf profitiert.

Schon vor Beginn der Zusammenkunft hatte Frankreich angekündigt, Waffen an die kurdischen Kämpfer zu liefern. Großbritannien erklärte an, Lieferungen ebenfalls "positiv gegenüberzustehen". Die tschechische Regierung wollte Munition und Waffen aus Armeebeständen liefern. Deutschland will sich zunächst mit "nicht-tödlichem" Material an der Aktion beteiligen. Ob Deutschland neben seinen Hilfsgüterlieferungen auch Waffen und Ausrüstung in das Krisengebiet schicken werde, ließ der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der am Samstag in den Irak gereist ist, aber weiter offen. (APA, 17.8.2014)

  • Deutsche Hilfsgüter in einem Flugzeug am NATO-Stützpunkt Incirlik im Süden der Türkei.
    foto: reuters/axel heimken

    Deutsche Hilfsgüter in einem Flugzeug am NATO-Stützpunkt Incirlik im Süden der Türkei.

  • Die USA greifen seit einer Woche IS-Stellungen aus der Luft an.
    foto: epa/mazen mahdi

    Die USA greifen seit einer Woche IS-Stellungen aus der Luft an.

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