Ukw abschalten: Prognos findet nur Schweiz "konsequent"

15. August 2014, 18:23
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"Für Österreich käme Zeitverschiebung von bis zu zehn weiteren Jahren nicht überraschend"

Die Unternehmensberater von Prognos sehen wenig Fortschritt in Deutschland und gar Österreich beim digitalen Radio-Standard DAB+. O-Ton: "Im deutschsprachigen Raum steuert bisher nur die Schweiz konsequent auf eine Ukw-Abschaltung zu".

"Für Österreich indes käme eine Zeitverschiebung von bis zu zehn weiteren Jahren nicht überraschend", heißt es in der Kurzfassung des Reports "Radio 2018": Hier habe "noch nicht einmal ein geplanter DAB+-Testbetrieb begonnen". Die Berater meinen wohl den für Wien geplanten, aber schon des öfteren vertagten größeren Probebetrieb für DAB+.

Im Jahr 2024 solle in der Schweiz Schluss sein mit dem UKW-Radio, heißt es in dem Bericht. Darauf habe sich die Schweizer Radiobranche in der Arbeitsgruppe Digitale Migration (DigiMig) verständigt.

Einige Radiostationen wollten sogar schon früher auf eine UKW-Verbreitung verzichten.
Damit könne "die Schweiz nicht nur die digitale Dividende in Form von frei werdendem
Frequenzspektrum einstreichen, sondern auch mehr Programme in besserer technischer
Qualität ausstrahlen", schreiben die Berater.

Deutschland "weit entfernt"

Von einer solchen Einigung sei Deutschland "weit entfernt". Im Juni wollten sich Privatradiobetreiber wieder nicht auf einen Abschalt-Termin festlegen. 2018 sei dafür jedenfalls unrealistisch; 2024 wie in der Schweiz halten die Autoren für möglich.

"Dabei könnte ein solcher Termin auch in Deutschland genau den entscheidenden Schub für DAB+ geben, der bislang noch fehlt Neubeschaffung und Ersatzbedarf von Radios würden dann auf DAB+ fokussiert. Bei 6,5 Millionen verkauften Radios pro Jahr wäre eine ausreichende Geräteausstattung der Haushalte nur eine Frage der Zeit." Die Autoren raten davon ab, darauf zu warten, dass ein bestimmter Prozentsatz der Haushalte DAB+-Geräte hat - das bremse die "Diffusionsdynamik".

Herausgeber der Media Reports von Prognos ist Josef Trappel, Kommunikationswisenschafter an der Uni Salzburg. (red, derStandard.at, 15.8.2014)

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