Alibaba-Tochter beutelt Mutters Börseplan

15. August 2014, 17:03
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Bilanzunregelmäßigkeiten bei einer Tochter des chinesischen Internet-Händlers Alibaba kommen denkbar ungünstig

Hongkong / Berlin / Seattle - Der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig. Bilanzunregelmäßigkeiten bei einer Tochter des chinesischen Internet-Händlers Alibaba kommen gerade jetzt auf, vor dem möglicherweise größten Börsengang der Technologiebranche. Die Film- und TV-Gesellschaft Alibaba Pictures hat am Freitag mitgeteilt, eine Überprüfung der Rechnungslegung habe Unregelmäßigkeiten ergeben. Der Mutterkonzern Alibaba will noch heuer in New York an die Börse gehen und könnte dabei sogar den 16 Milliarden Dollar schweren Börsengang (IPO) von Facebook in den Schatten stellen.

Alibaba hat das Medienunternehmen vor noch nicht einmal zwei Monaten übernommen. Den 60-Prozent-Anteil an der Gesellschaft, die einst ChinaVision Media Group hieß, haben sich die Chinesen 804 Millionen Dollar kosten lassen. Investoren haben seit längerem beklagt, Alibaba habe es bei seinen zahlreichen Akquisitionen mit der Bilanzprüfung nicht so genau genommen. Mit den Zukäufen will sich die Gruppe breiter aufstellen und unabhängiger vom reinen Internet-Handel werden. Auf den Plattformen der Chinesen, an denen Yahoo beteiligt ist, werden mehr Güter angeboten als auf den elektronischen Verkaufsflächen von Ebay und Amazon zusammen.

Zu den möglichen Belastungen der bilanziellen Neubewertung wollte sich Alibaba Pictures noch nicht äußern. Die Gesellschaft hat zunächst einmal beantragt, die Aktie vom Handel auszusetzen.

Die Alibaba-Gruppe fährt seit dem Vorjahr einen rapiden Expansionskurs. Ungefähr zehn Milliarden Dollar hat sie dafür ausgegeben, sich die Konkurrenz vom Hals zu halten. Auf der Einkaufsliste stand auch Nichtkerngeschäft: Im Juni hat die Gruppe den erfolgreichsten chinesischen Fußballklub gekauft, den Guangzhou Evergrande Football Club.

Der Klub hat seinen Eigentümer um 192 Millionen Dollar gewechselt - ausgedacht wurde der Deal angeblich in aller Eile, quasi bei ein paar Drinks. "Alibaba steht unter großem Wettbewerbsdruck, der hat sie zu all diesen Käufen gebracht. Ich denke, dass manche von ihnen nicht durchdacht waren", kommentiert etwa Portfoliomanager Tony Chu von RS Investments in Hongkong die Einkäufe.

Autorenprotest gegen Amazon

In Unannehmlichkeiten steckt auch Amazon: Der seit Monaten schwelende Streit mit dem US-Verlag Hachette weitet sich aus. Nachdem in den USA mehr als 900 Autoren (wie Stephen King und John Grisham) kritisiert hatten, dass der Online-Versandhändler die Auslieferung gedruckter Hachette-Bücher verlangsame und keine Vorbestellungen annehme, hat der Protest den deutschsprachigen Raum erreicht.

In einem Brief an Amazon-Chef Jeff Bezos, der laut Medien nächste Woche veröffentlicht werden soll, werfen mehr als hundert Autoren wie Ingrid Noll, Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek und PEN-Präsident Josef Haslinger Amazon vor, Schriftsteller von Verlagen zu boykottieren, die sich gegen höhere Rabatte wehren. Amazon missbrauche Autoren und ihre Bücher als Druckmittel für mehr Rabatte. Bei Amazon wollte man vor Erhalt des Briefes keinen Kommentar abgeben.

Der Internet-Händler will mit seinem Vorgehen niedrigere Preise für digitale Bücher durchsetzen. Literatur müsse günstiger werden, da sie mit vielen anderen Medien im Wettbewerb stehe, kontert Amazon die Vorwürfe der Verlage und Autoren. (red, DER STANDARD, 16.8.2014)

  • Alibaba-Gründer Jack Ma

    Alibaba-Gründer Jack Ma

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