"Supertransparenz" und Geld für Telekom

15. August 2014, 16:56
6 Postings

Die Hauptversammlung der Telekom Austria hat den Vergleich mit Exmanager Rudolf Fischer genehmigt, er zahlt weitere drei Millionen

Wien - Die Telekom Austria (TA) bekommt frische Luft zum Atmen, also: frisches Geld. 98,13 Prozent ihrer Aktionäre haben in der außerordentlichen Hauptversammlung am Donnerstag der Kapitalerhöhung um bis zu einer Milliarde Euro zugestimmt. Wann genau die Geldspritze verabreicht wird, ist noch nicht fixiert. Der hohe Zustimmungsgrad ist dem Syndikatsvertrag des neuen Mehrheitsaktionärs América Móvil mit der Staatsholding ÖIAG geschuldet. Die beiden, die gemeinsam rund 80 Prozent der TA halten, müssen bei wichtigen Entscheidungen Hand in Hand vorgehen.

Mit dem Geld soll die durch Abschreibungen (Bulgarien: 400 Mio. Euro für die Mobiltel) und teuren Frequenzeinkauf fadenscheinig gewordene Kapitaldecke verstärkt werden. Und: Die TA, die im ersten Halbjahr einen Verlust von fast 318 Mio. Euro eingefahren hat, will weitere Zukäufe in Osteuropa tätigen.

Neu gewählt wurde der Aufsichtsrat, in dem steht es nun 8:2 für die Mexikaner unter Carlos Slim. Sie halten derzeit 50,8 Prozent der TA-Aktien. Sie entsenden acht Kontrollore, darunter Investor Ronny Pecik und die beiden österreichischen Philip-Morris-Manager Reinhard Kraxner und Stefan Pinter. Chef des Kontrollgremiums bleibt ÖIAG-Chef Rudolf Kemler, der versprach, der Aufsichtsrat werde "supertransparent" vorgehen.

Allerdings: Trotz heftigen Verlangens von Kleinaktionären (halten 20,8 Prozent, sind aber nicht im Aufsichtsrat vertreten) verweigerte er die Herausgabe des Syndikatsvertrags. TA-Vorstandsvorsitzender Hannes Ametsreiter erwähnte in dem Zusammenhang, dass dem Vorstand zwar "alle zentralen Punkte vorgetragen" worden seien, "physisch" liege ihm der Vertrag aber nicht vor.

Auch mit der Korruptionscausa hat sich die Aktionärsversammlung beschäftigt - insofern, als sie den Vergleich mit Exfestnetz-Chef Rudolf Fischer abgesegnet hat.

Vergleich mit Exvorstand

Fischer, der bereits 500.000 Euro bezahlt hat, zahlt binnen vier Wochen nach Vergleichsabschluss weitere zwei Mio. Euro. Die Zahlung ist unabhängig vom Ausgang der Strafverfahren und gilt auch dann, wenn der Exmanager in allen Verfahren freigesprochen werden sollte.

Nicht verglichen sind damit allerdings etwaige Ansprüche der TA aus allfälligen "Kickback-Zahlungen" an Fischer. Eine Ausnahme gibt es laut TA: 200.000 Euro aus einem "ungeklärten Sachverhalt, der von den Behörden noch untersucht wird", sind inkludiert.

Der Vergleich mit Exfinanzchef Stefano Colombo (hat bisher 196.000 Euro bezahlt) ist noch nicht in trockenen Tüchern; dafür wurden nun die "Rahmenbedingungen" genehmigt. Der Vorstand wurde ermächtigt, einen Vergleich abzuschließen, in dessen Rahmen Colombo 3,13 Mio. Euro an die Telekom zahlen soll. (red, DER STANDARD, 16.8.2014)

  • Der Telekom-Aufsichtsrat wird "supertransparent" agieren, versprach dessen Präsident, Rudolf Kemler, bei der außerordentlichen Hauptversammlung. Der Syndikatsvertrag bleibt geheim.
    foto: apa/fohringer

    Der Telekom-Aufsichtsrat wird "supertransparent" agieren, versprach dessen Präsident, Rudolf Kemler, bei der außerordentlichen Hauptversammlung. Der Syndikatsvertrag bleibt geheim.

Share if you care.