Rosneft sucht Hilfe beim Staat

15. August 2014, 16:49
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Rosneft soll Moskau gebeten heben, dem Unternehmen bei der Rückzahlung seiner Schulden unter die Arme zu greifen

Moskau - Der russische Ölriese Rosneft hat unter dem Druck der westlichen Wirtschaftssanktionen offenbar Moskau um Hilfe gebeten. Die russische Wirtschaftszeitung "Wedomosti" berichtete am Donnerstag, Rosneft habe die Regierung gebeten, dem Unternehmen bei der Rückzahlung seiner Schulden von umgerechnet 1.500 Milliarden Rubel (31 Milliarden Euro) unter die Arme zu greifen.

Rosneft habe zudem darum gebeten, dem Konzern neue Öllizenzen zuzusprechen und Steuervorteile für Projekte in der Arktis zu verlängern.

"Die Ministerien für Energie und Finanzen prüfen diese Vorschläge", zitierten russische Nachrichtenagenturen den Vize-Regierungschef Arkadi Dworkowitsch. In den kommenden zwei Wochen solle dazu eine Entscheidung fallen.

Rosneft wird zu 70 Prozent vom russischen Staat kontrolliert. Auf den Konzern entfallen 40 Prozent der Ölproduktion des Landes.

Angesichts des Ukraine-Konflikts hatten die USA im Juli für mehrere bedeutende russische Unternehmen den Zugang zum US-Kapitalmarkt stark eingeschränkt, unter anderem für Rosneft. Das Unternehmen versicherte daraufhin, wie gewohnt zu arbeiten, teilte aber mit, an einem Plan zu arbeiten, der die Folgen der Sanktionen so gering wie möglich halten soll.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur RIA Novosti und der Wirtschaftszeitung Wedomosti soll Rosneft-Chef Igor Setschin insgesamt fünf Varianten zur Unterstützung des Ölkonzerns vorgeschlagen haben.

Anleihen-Ankauf als teuerste Variante

Die teuerste Variante für den russischen Staat ist der Ankauf von Rosneft-Anleihen mit Mitteln aus dem Nationalen Wohlstandsfonds im Wert von 1,5 Billionen Rubel. Die Notwendigkeit dieser Hilfen werde von Setschin mit den US-Sanktionen erklärt, heißt es. Russische Unternehmen wie Rosneft, Novatek, Gazprombank und Vnesheconombank können sich auf dem US-Finanzmarkt langfristig kein Geld mehr leihen. Obwohl die Sanktionen nur von den USA verhängt wurden, haben sich ihnen die europäischen Banken und Investoren im Grunde angeschlossen.

Rosnefts Nettoschulden belaufen sich auf 1,5 Billionen Rubel (Stand Ende Juni). Die Gesamtschulden des Ölkonzerns liegen bei 2,2 Billionen Rubel. Allerdings bekam Rosneft vom chinesischen Staatskonzern CNPC 17 Mrd. Dollar als Vorauszahlung für Öllieferungen. Insgesamt soll Rosneft 70 Mrd. Dollar von China bekommen.

Seit der Übernahme von TNK-BP im Jahr 2013 für 54 Milliarden Dollar wachsen die Schulden des russischen Ölriesen. Rosneft lieh sich damals 31 Milliarden Dollar von ausländischen Banken. In diesem und im kommenden Jahr müssen rund 30 Milliarden Dollar zurückgezahlt werden.

Finanzspritzen aus dem "Wohlstandsfonds "gelten in Moskau als nahezu ausgeschlossen. Nach dem Stand vom 1. Jänner umfasste der Fonds 2,9 Billionen Rubel, wobei 1,74 Billionen für Investitionsprojekte reserviert sind.

Die Chancen auf Realisierung der Wünsche Rosnefts werden derzeit aber als schlecht bewertet. Ein Wirtschaftsexperte der Regierung habe die Vorschläge Setschins als "entsetzlich" verworfen, hieß es in russischen Medien. (Reuters, 15.8.2014)

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