ORF-Finanzdirektor: Helene Fischer auf ORF 1 kein "Tabu"

15. August 2014, 17:37
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Richard Grasl sieht auf ORF 2 Programm für den jüngeren TV-Kanal, im Dissens über den Song Contest keinen Vorwahlkampf, im ORF keine Eile für höhere Gebühren - und auf dem Küniglberg Platz für Startups

STANDARD: ORF-Chef Alexander Wrabetz hat entschieden, dass der Song Contest 2015 in der Wiener Stadthalle stattfindet. Nach unseren Informationen haben Sie sich als Finanzdirektor ausdrücklich per Aktenvermerk von der Entscheidung distanziert. Was können wir daraus schließen?

Grasl: Auch aus der Sicht des ORF-Finanzdirektors ist Wien ein hervorragender Austragungsort. Allerdings muss der Finanzdirektor wohl aus Prinzip für das beste finanzielle Angebot sein. Die Fernsehdirektorin favorisiert den optimalen Standort für die Show. Schlussendlich gibt es einen Alleingeschäftsführer, der all diese Kritierien dann bewertet und eine Entscheidung zu treffen und zu verantworten hat.

STANDARD: Sie wollen sie - siehe Aktenvermerk - ausdrücklich nicht mitverantworten.

Grasl: Ich habe darauf hingewiesen, dass Innsbruck das beste finanzielle Angebot hat. Mich hat vor allem auch das Angebot fasziniert, dass dieser Veranstaltungsort auch alle allfälligen Kostenüberschreitungen übernommen hätte. Einen Song Contest veranstaltet man nicht jedes Jahr, mit einem solchen Ereignis hat man also wenig Erfahrung. Kopenhagen hat mit den dreifachen Kosten gezeigt, dass auch andere diese Erfahrung nicht haben. Das hätte daher auch weniger Risiko für den ORF bedeutet. Darauf habe ich hingewiesen. Aber wenn der Geschäftsführer das anders sieht, hat er das Recht, anders zu entscheiden, und das trage ich selbstverständlich mit.

STANDARD: Aber erst distanzieren Sie sich von der Standortentscheidung für den Song Contest?

Grasl: Im Gegenteil: Wir stehen absolut dazu, dass wir hier in Wien einen tollen Song Contest austragen werden - mit Unterstützung der gesamten Geschäftsführung. Wien bietet für eine solche Veranstaltung wirklich alles, was man dafür braucht. Unterschiedliche Meinungen in einer Geschäftsführung sind ja nichts Schlechtes. Wenn alle immer einer Meinung sind, wären womöglich einige zuviel. Man diskutiert, aber wenn eine Entscheidung getroffen ist, tragen sie alle mit. Das halten Alexander Wrabetz und ich seit viereinhalb Jahren so, und das ist auch dieses Mal so.

STANDARD: Und Sie legen schon Geld beiseite, falls der Song Contest ein paar Millionen mehr kostet als angenommen und von der Stadt übernommen

Grasl: Wir werden wie bei allen Projekten sorgfältig budgetieren und schauen, dass die Budgets auch eingehalten werden.

STANDARD: Sicherheitshalber soll es aber begleitendes Controlling geben, hört man.

Grasl: Ja, das hat aber mit der Standortentscheidung nichts zu tun. Bisher prüfen externe Wirtschaftsprüfer, beauftragt von der Medienbehörde, ob im Jahr zuvor alles in Ordnung war. Ich habe jetzt erstmals - in Absprache mit Prüfungskommission und KommAustria - um eine begleitende Kontrolle ersucht. Die beiden Wirtschaftsprüfer sind schon 2014/15 mit dabei. Und das halte ich bei einem Projekt dieser Größenordnung für wichtig.

STANDARD: Was wird der Song Contest denn nun - planmäßig - kosten?

Grasl: Wir haben 25 Millionen Euro brutto budgetiert. Wir rechnen mit rund zehn Millionen Euro Einnahmen.

STANDARD: Die zehn Millione kommen aber nicht alleine aus Beiträgen der Stadt

Grasl: Nein, das kommt aus Ticketerlösen, aus Teilnahmegebühren der Länder, von Sponsoren und Beiträgen der Host City. Unser Ziel ist, möglichst viel Geld von den 25 Millionen in eine tolle Show zu investieren.

Was der Song Contest das übrige Fernsehprogramm kostet - und wann die nächste Gebührenerhöhung ansteht - auf der nächsten Seite

Richard Grasl (41) war ORF-Chefredakteur in Niederösterreich, ist seit 2010 kaufmännischer Direktor des ORF. Kein Parteimitglied, gilt aber als VP-Wunschkandidat für die ORF-Führung.

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