Könnten Astronauten auf dem "Rosetta"-Kometen "Tschuri" umherlaufen?

14. August 2014, 16:26
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Mit rund 3 Milliarden Tonnen hat 67P/Tschurjumow-Gerasimenko ein nur sehr geringes Schwerefeld

foto: apa/epa/esa/rosetta
Gefährliches Gelände: Ein unbedachter Sprung auf 67P/Tschurjumow-Gerasimenko kann schnell zu einer Reise ohne Wiederkehr werden.

Seit etwas über einer Woche umkreist die ESA-Sonde "Rosetta" den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko in einem Abstand von rund 100 Kilometern. Bereits jetzt hat die Mission unvergleichlich detaillierte Nahaufnahmen von dem eisigen Brocken geliefert - und doch ist dies erst der Anfang von etwas viel Spektakulärerem: Im November 2014 wird "Rosetta" den Lander Philae abwerfen, der dann auf dem Kometen aufsetzen soll.

Das Mini-Labor mit rund einem Meter Kantenlänge ist dafür mit einem ausgeklügelten Mechanismus im Landegestell ausgestattet, das verhindern soll, dass die Sonde von der Kometenoberfläche wieder abprallt. Zwei Harpunen und drei Eisschrauben fixieren schließlich Philae am Boden.

Alles in allem keine leichte Aufgabe, denn 67P/Tschurjumow-Gerasimenko (kurz 67P/C-G oder "Tschuri") verfügt mit einem Durchmesser von rund vier Kilometer und einer Masse von geschätzten drei Milliarden Tonnen über eine nur sehr geringe Schwerkraft. Wie aber würden Astronauten mit diesen exotischen Bedingungen fertig werden? Reicht die geringe Gravitation aus, um sich auf dem Kometen fortzubewegen?

Hüpfen mit Bedacht

Was sich die Macher von "Armageddon" 1998 zu dem Szenario einfallen ließen, kann man jedenfalls getrost vergessen: Der US-Physiker Rhett Allain hat sich in einem mathematisch fundierten Beitrag im Internetmagazin "Wired" von wissenschaftlicher Seite dem Problem genähert und ist zu interessanten Antworten gelangt: Was etwa das Gehen auf 67P/C-G betrifft, so hätte man als Astronaut tatsächlich schlechte Karten: Allein schon die geringe Reibung würde eine schrittweise Fortbewegungsart praktisch unmöglich machen. Springenderweise wäre zumindest theoretisch ein Vorwärtskommen leichter.

Aber auch dabei ist äußerste Vorsicht geboten: Wegen der minimalen Fluchtgeschwindigkeit von 0,46 Meter pro Sekunde (die Eigenrotation des Kometen wurde dabei noch gar nicht berücksichtig) würde uns den Berechnungen Allains zufolge schon ein kleiner Hüpfer senkrecht nach oben unwiederbringlich ins All hinaus befördern. Die detaillierte Mathematik hinter diesen theoretischen Überlegungen, Grafiken und die Antwort auf die Frage, ob man als Astronaut von der Kometenoberfläche aus in einen stabilen Orbit springen könnte, kann man hier nachlesen:

--> Wired.com: Could You Walk on the Surface of a Comet?

(red, derStandard.at, 14.08.2014)

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