Wie es an Finanzmärkten etwas umsonst gibt

15. August 2014, 09:00
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Eine Börsenweisheit besagt: Ohne Risiko kein hoher Ertrag. Manchmal geht es aber anders. Das Zauberwort heißt Diversifikation

Wien - An den Finanzmärkten gibt es nichts umsonst, heißt es. Wer eine höhere Rendite verdienen will, muss auch mehr Risiko eingehen. So weit, so trostlos. Doch mit einer Technik können Anleger diesem Dilemma entkommen: der Diversifikation.

Wer nicht sein ganzes Geld in eine Aktie, sondern in zehn Aktien steckt, steigt mit einem deutlich besseren Ertrags-Risiko-Profil aus. Wer noch Anlageklassen wie Anleihen, Rohstoffe oder Schwellenländeraktien in sein Portfolio mischt, kann das Risiko noch weiter senken. Zwei Namen sind eng mit dem Konzept der Diversifikation als "Free Lunch" verbunden: die Nobelpreisträger Bill Sharpe und Harry Markowitz. "Die Vorteile internationaler Diversifikation sind erheblich", sagt Sharpe auch heute noch, fünf Jahre nach Ausbruch einer globalen Krise.

Neue Risikomodelle bei Mischfonds

Seine Ideen tragen heute zu einem wesentlichen Trend bei, der zuletzt gerade in der Fondsbranche zu beobachten war. Mischfonds, neudeutsch gerne auch "Multi-Asset"-Produkte genannt, werden mit neuen Risikomodellen aufgebaut. Anleger kaufen sich gleich ganze Portfolios, anstatt selbst in mühevoller Kleinarbeit Aktien, Anleihen, Rohstoffe und andere Anlagen zu kombinieren.

Doch wann funktioniert Diversifikation? Eine Kennzahl ist dabei besonders wichtig: die Korrelation. Sie ist ein Maß dafür, wie sich zwei Wertpapiere wechselseitig verhalten. Eine hohe Korrelation (von nahe eins) heißt, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, mit einem Wertpapier einen Verlust zu erleiden, wenn auch das andere gerade im Minus ist. Wünschenswert sind daher niedrige oder sogar negative Korrelationen, dann ist ein Portfolio weniger anfällig für Schocks. Damit Diversifikation funktioniert, müssen daher Anlagen mit geringer Korrelation ausgewählt werden.

Korrelation gestiegen

Tatsächlich bewegen sich verschiedene Anlageklassen heute aber enger umschlungen, als das traditionell der Fall war, betonen etwa die Asset-Allocation-Analysten der französischen Großbank Société Générale in einem aktuellen Bericht: "Die durchschnittliche Korrelation zwischen verschiedenen Anlagen ist zuletzt gesunken, sie bleibt aber im historischen Vergleich hoch."

Aber auch im aktuellen Umfeld lassen sich niedrige Korrelationen finden. So würden sich aktuell die europäischen Staatsanleihen im Schnitt gegenläufig zu den Aktienkursen bewegen, auch der Zusammenlauf zwischen Rohstoffen und den allgemeinen Börsen ist niedrig wie schon lange nicht, halten die Experten fest.

Doch auch wer sein Portfolio über verschiedene Anlageklassen diversifiziert - ein Risiko wird kein Anleger so schnell los: das Systemrisiko. Eine Börsenweisheit besagt, das Einzige, was in einer Krise steige, sei die Korrelation. Wenn also an den Finanzmärkten Panik herrscht, verlieren viele risikobehaftete Wertpapiere im Tandem. Langfristig ist aber die Diversifikation ein wichtiger Beitrag, um das Risiko der Geldanlage ohne viel Aufwand zu reduzieren. (sulu, DER STANDARD, 14.8.2014)

  • Ein bisschen von hier und ein wenig von da: Die Würze eines Portfolios bestimmt auch über das Risiko.
    foto: reuters/gea

    Ein bisschen von hier und ein wenig von da: Die Würze eines Portfolios bestimmt auch über das Risiko.

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