Spuren einer "Hai-Kinderstube" im Nordatlantik ausgemacht

17. August 2014, 18:36
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Studie identifiziert mitten im Nirgendwo eine Region, in der Blauhaie ihre ersten Lebensjahre verbringen

Faial - Zum Lebenszyklus und den Wanderungen von Haien gibt es immer noch jede Menge offene Fragen. Insbesonders gilt dies für pelagische Arten, also solche, die die meiste Zeit auf hoher See fernab aller Küsten leben. Wie etwa der drei bis vier Meter lange Blauhai (Prionace glauca), der weltweit von tropischen bis in gemäßigte Breiten vertreten ist.

Eine aktuell in "PLOS ONE" veröffentlichte Studie liefert klare Hinweise darauf, dass dieses extrem große Verbreitungsgebiet nicht gleichförmig bevölkert ist. Die Haie scheinen je nach Alter und Geschlecht verschiedene Regionen zu bevorzugen. In weiterer Folge konnte dabei auch so etwas wie eine "Kinderstube" ausfindig gemacht werden.

Wissenschafter um Frederic Vandeperre von der Universität der Azoren versahen für ihre Studie insgesamt 35 Blauhaie mit Sendern und konnten so ihre Migrationsmuster bis zu 1.000 Tage lang verfolgen. Unter den individuellen Bewegungen der einzelnen Tiere zeichneten sich Muster ab, die mit dem Lebenszyklus der Tiere zusammenhängen.

Mitten im Nirgendwo

Das wichtigste Ergebnis war, dass dabei besagte Kinderstube identifiziert werden konnte: Eine Region im Nordatlantik, in der sich die Jungen der lebendgebärenden Art in ihren ersten zwei Lebensjahren aufhalten. Manche Haie suchen geschützte Regionen wie etwa Buchten auf, um ihre Jungen zu gebären bzw. Eier abzulegen. Auch der Blauhai nutzt offenbar gezielt eine ganz bestimmte Region. Das paradox Wirkende in diesem Fall ist, dass die Region auf hoher See inmitten endloser Wassermassen liegt und sich von ihrer Umgebung durch nichts erkennbar unterscheidet - zumindest für uns.

Nach ihrer Kindheit, so die Studie, verlassen die Haie diese Region. Männliche und weibliche Tiere trennen sich dabei. Die Weibchen führen in der Folge saisonale Wanderungen durch und verlagern ihr Gebiet sukzessive immer weiter in tropische Breiten. Die Männchen dehnen ihr Gebiet weiter nach Süden aus und zeigen generell größere individuelle Unterschiede in ihrem Verhalten. (jdo, derStandard.at, 17. 8. 2014)

  • Jährlich enden Millionen Blauhaie als Beifang in Schleppnetzen. Da sie nahezu weltweit verbreitet sind, gelten sie dennoch nicht als gefährdete Art.
    foto: f. vandeperre

    Jährlich enden Millionen Blauhaie als Beifang in Schleppnetzen. Da sie nahezu weltweit verbreitet sind, gelten sie dennoch nicht als gefährdete Art.

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