Römischer Offizier im Burgenland als potentieller "Wiedergänger" bestattet

14. August 2014, 13:29
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Toter aus dem fünften Jahrhundert war mit Pflugschar beschwert und mit gefesselten Füßen bestattet worden

Unterloisdorf - Die Furcht vor untoten Wiedergängern ist aus vielen Mythologien bekannt. Um zu verhindern, dass dahingehend verdächtigte Tote ihrem Grab entsteigen und den Lebenden gefährlich wegen könnten, gab es in verschiedenen Volksglauben unterschiedliche Strategien, die sich noch heute in Filmen und Literatur großer Beliebtheit erfreuen: Durchtrennte Sehnen, gepfählte Herzen, allerlei religiöse Rituale aber auch Fesselungen und Beschwerungen der Toten, um sie schlicht am Aufstehen zu hindern.

Einen solchen Fall haben Archäologen nun bei Trassengrabungen für die B61a im Burgenland entdeckt und im Landesmuseum Burgenland präsentiert: Demnach soll es sich dabei um einen mit einer Pflugschar beschwerten römischen Offizier aus dem fünften Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung handeln.

Trassengrabungen für B61a

Im Mai war mit den archäologischen Grabungen an der geplanten Trasse im Bezirk Oberpullendorf begonnen worden. Zwischen Unter- und Oberloisdorf wurde schließlich ein spätrömisches Gräberfeld entdeckt, berichtete Grabungsleiter Kurt Fiebig. Bei den dort Bestatteten dürfte es sich um gesellschaftlich höherstehende Personen gehandelt haben: dies sei am Grabinventar ersichtlich, das von Münzen über Silberschmuck bis zu hochwertigen Keramikbeigaben reichte.

In einem der Gräber wurde der offenbar als Wiedergänger verdächtigte Tote gefunden. Dass es sich um einen Soldaten handle, sei am Bronzegürtel ersichtlich. Das Tragen solcher Gürtel sei in der Römerzeit ausschließlich Militärs erlaubt gewesen - in der Regel Offiziersrängen, so Fiebig. Auf der Brust des Mannes hatte einst eine noch relativ gut erhaltene Pflugschar gelegen: "Sie hat immer noch circa fünf bis sieben Kilo."

Gräber aus fünf Jahrhunderten

Zudem seien dem Toten die Füße zusammengebunden worden, wie der Fund einer Gürtelschnalle zeige. "Seine Hände waren nicht wie üblicherweise am Körper anliegend oder vor der Brust verschränkt, sondern lagen über dem Kopf", so der Archäologe. Indiz dafür sei ein silberner Fingerring.

Knochen habe man - bedingt durch das extrem saure Milieu des Bodens und den hohen Grundwasserspiegel - "in minimalsten Resten" gefunden. Der Mann sei wahrscheinlich in einem Holzsarg bestattet worden, darauf würden Holzreste hindeuten, die man auf dem Gürtel fand.

Aufgrund der Funde und der Münzen lasse sich das Alter der Grabstelle gut bestimmen, das Gräberfeld sei von Beginn des ersten bis Ende des fünften Jahrhunderts belegt worden, so Fiebig. Insgesamt wurden 25 Körpergräber und zehn Überreste von Brandbestattungen gefunden. (APA/red, derStandard.at, 14.8.2014)

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