Sechs Monate bedingt für Rumpolds Exfrau

14. August 2014, 15:05
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Da sie versucht haben soll, eine Zeugin in einem Telekom-Verfahren zu beeinflussen, sitzt Erika Daniel vor Gericht

Wien - Ein derStandard.at-Liveticker zu einem der zahlreichen Telekomprozesse hat Erika Daniel am Donnerstag vor Richterin Gerda Krausam gebracht. Denn die Ex-Frau und ebensolche Geschäftspartnerin von Gernot Rumpold soll im August 2013 versucht haben, eine Zeugin zu beeinflussen, wirft ihr Staatsanwalt Herbert Harammer vor.

Der Hintergrund: In dem Verfahren vor einem Jahr ging es um verdeckte Parteispenden der Telekom an die FPÖ. Abgerechnet wurden diese unter anderem über Honorarforderungen der Werbeagentur Rumpolds. Für Konzepte wurden laut Sachverständigem völlig überhöhte Honorare verlangt, die die Telekom anstandslos beglich.

Eines dieser Konzepte war ein Telefongewinnspiel namens "Tele-Champion". Das Problem: Die Idee dafür hatte Miriam Ö., eine freie Mitarbeiterin der Agentur, die für einen zehnseitigen Entwurf 1.300 Euro bekam. Der Telekom gegenüber verrechneten die Rumpolds später dafür mehrere Zehntausend Euro.

Überraschung für Zeugin

Hier kommt der Liveticker ins Spiel. Denn während des Prozesses am 8. August 2013 wurde bekannt, dass Ö. als Zeugin befragt werden soll. Um 16.05 Uhr war das im Internet zu lesen - den Ticker verfolgte auch die eher überraschte Ö.

Noch viel überraschter war sie, als zwei Minuten später ihr Handy klingelte. Die Anruferin: Erika Daniel, mit der Ö. schon über seit zwei Jahren keinen Kontakt mehr hatte. "Was haben Sie sich dabei gedacht?", will Richterin Krausam wissen. "Dass ich über die Sache jetzt nicht mit ihr reden will."

Sie hob nicht ab, wiederum neun Minuten später erhielt sie eine lange SMS. "Wir haben viel und intensiv zusammengearbeitet", schrieb ihr Daniel unter anderem. Und: "Wir haben wochenlang an 'Tele-Champion' getüftelt."

Ein Anruf, zwei SMS

Ob mit "wir" Ö. und Daniel oder Daniel und Rumpold gemeint war, steht in den Sternen - die Zeugin hat es jedenfalls "gewissermaßen" schon als Beeinflussungsversuch wahrgenommen. Noch dazu, da um 16.53 Uhr eine weitere SMS mit der Bitte um Rückruf kam.

"Ich habe mir gedacht, ich sollte das lieber nicht machen. Es kann keine gute Idee sein, Erinnerungen aufzufrischen, wenn sich etwas nicht so zugetragen hat." Sie habe sehr wohl vermutet, dass sie hätte aussagen sollen, sie habe an der Telekom-Version des Konzeptes mitgearbeitet.

Erika Daniel ist völlig fassungslos ob dieser Äußerung: "Dass du so etwas annimmst, Miriam!", greint die Angeklagte. "Nach all diesen Jahren!" Aber sie nimmt es resignierend zur Kenntnis: "Sie verleugnet uns."

Nur Entschuldigung

Daniels Version ist nämlich eine völlig andere. Auch sie sei über irgendeinen Liveticker darauf gestoßen, dass Ö. nun Zeugin werde. Und da wollte sie sich dafür entschuldigen, dass die Ex-Kollegin plötzlich behelligt wird.

"In keiner Weise, zu keinem Zeitpunkt wollte ich sie beeinflussen!", beteuert die Angeklagte, sekundiert von ihrem Verteidiger Markus Singer. Sie habe schlichte Tatsachen niedergeschrieben.

Warum die Kontaktaufnahmeversuche doch recht hartnäckig gewesen seien, interessiert die Richterin. "Es war ein letzter Versuch, mit ihr noch einmal zu reden." - "Aber warum?" - "Ich weiß es nicht. Aber es hat mir so wehgetan, schon wieder Freunde, wieder Kooperationspartner zu verlieren."

Resultat ist gleichgültig

Staatsanwalt Harammer fordert einen Schuldspruch, für das zur Last gelegte Delikt der versuchten Zeugenbeeinflussung sei es sogar irrelevant, ob die Zeugin die Botschaft auch im gewünschten Sinne verstanden habe.

Der Verteidiger sieht dagegen "ein Musterbeispiel eines Freispruchs im Zweifel". Daniel habe die Zeugin weder beeinflussen wollen noch es in irgendeiner Art und Weise versucht.

Was die Richterin, nicht rechtskräftig, nicht so sieht. Sie verhängt über die Unbescholtene bei einem Strafrahmen von bis zu drei Jahren sechs Monate bedingte Haft. Die chronologische Reihenfolge der Nachrichten und auch der Inhalt "ist nur in eine Richtung zu verstehen". (Michael Möseneder, derStandard.at, 14.8.2014)

  • Artikelbild
    foto: apa/herbert neubauer
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